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Network Solutions kämpft um Strato-Domains

06.02.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der amerikanische Domain-Registrar Network Solutions geht im Streit mit der Teles-Tochter Strato (Computerwoche.de berichtete) in die Offensive. Man sei "besorgt darüber, dass Bestätigungen von Kunden in Deutschland für die Übertragung ihrer Domain-Namen nicht von den Kunden autorisiert wurden", erklärte das Unternehmen in einer Stellungnahme. Einmischungen oder unautorisierte Transfers der Domain-Namen von Kunden betrachte man "als eine ernsthafte Verletzung der Sicherheit durch Dritte beziehungsweise Außenstehende".

Network Solutions, das inzwischen eine eigene Website für deutsche Kunden anbietet, fordert daher beim Transfer von Domain-Registierungen nun eine zusätzliche Indentifikation des Kunden ein. Champ Mitchell, Chairman und CEO von Network Solutions, erklärte gegenüber Computerwoche.de, dabei müsse man sich lediglich ein einfaches Formular als PDF herunterladen und dieses zusammen mit einer Kopie von Personalausweis oder Pass an den Kundendienst zurückfaxen. Für die Bearbeitung seien eigens ein Dutzend Mitarbeiter abgestellt worden, um einen möglichst reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.

Über diese technische Hürde will Network Solutions offenbar verhindern, dass irgendjemand außer den Domain-Inhabern selbst einen Transfer beauftragt. Strato ist aber inzwischen selbst Registrar - und offizielles ICANN-Mitglied - und versucht seit Jahresbeginn, seine früher bei Network Solutions eingetragenen rund 250.000 cno-Adressen (.com,. net, .org) von 100.000 Kunden per KK-Antrag auf seine Registrar-Tochterfirma Cronon umzuziehen. NSI hat der Teles-Tochter zwischenzeitlich den Zugriff auf seine Datenbank gesperrt und besteht darauf, dass Stratos Kunden Transfer oder Erneuerung ihrer Internet-Adressen individuell beauftragen.

Strato vertritt demgegenüber die Ansicht, dass seine Kunden im Zuge ihres laufenden Vertragsverhältnisses der Firma eine Vollmacht für die Domain-Verwaltung übertragen haben (Paragraph 18 AGB). Man sei somit befugt, die KK-Anträge im Auftrag zu stellen. Die ausdrückliche Erlaubnis der Kunden hole man sich aber sicherheitshalber noch einmal separat. Strato rät allen Kunden, die dies noch nicht getan haben, sich umgehend im Kundenservice-Bereich von www.strato.de unter "Hier einloggen für Ihre Internetpräsenz" anzumelden, damit Strato den KK noch anstoßen könne, bevor NSI Strato und dessen Kunden weitere Steine in den Weg lege.

Die Richtlinien der ICANN bestimmten, dass bei einem KK üblicherweise die Vermutung vorliege, der neue Registrar habe die Vollmacht des Kunden vorliegen. Einzig NSI drehe hier den Spieß um und gehe grundsätzlich vom Gegenteil aus. Strato betrachtet dies als Behinderung des Kundenwillens und nicht etwa wie NSI als "Sicherung der Persönlichkeitsrechte".

Pressesprecher Carsten Zorger erklärte gegenüber Computerwoche.de, der noch aus dem Jahr 1998 stammende und zu Ende 2003 gekündigte Vertrag mit NSI - damals noch cno-Alleinverwalter - sei notgedrungen exklusiv und mit gewissem Knebelcharakter abgeschlossen worden. Beispielsweise habe der Kontrakt untersagt, dass Strato während der Laufzeit eine parallele Infrastruktur aufbaue, um später seine Domains in einem Rutsch umzuziehen.

Aus Sicht von Strato, so Zorger, wäre es wünschenswert gewesen, die Domains im Laufe des Jahres 2004 sukzessive von NSI auf Cronon zu übertragen. Dann hätten auch die Amerikaner noch ein Jahr lang Geschäfte mit den Kunden von Strato machen können. Man werde weiter alles tun, um die Kunden-Domains zu sich zu ziehen, damit die Kunden weiterhin von den günstigen Preisen profitieren könnten. (tc)