TV-Sender

Netflix durch deutsches Kartellrecht geradezu eingeladen

22.05.2014
Hochaufmerksam sehen die deutschen TV-Sender dem Deutschland-Start der Online-Videothek Netflix entgegen, die mit der Serie "House of Cards" international Bekanntheit erlangt hat. Die Branche fordert Erleichterungen beim Kartellrecht, um kontra zu geben.

Die deutschen Kartellwächter haben der amerikanischen Online-Videothek Netflix nach Ansicht großer Fernsehsender geradezu den roten Teppich ausgerollt. Sowohl eine private Allianz von RTL und Sat.1 als auch die Öffentlich-Rechtlichen seien mit Plänen für eine senderübergreifenden Video-Plattform erst jüngst am deutschen Kartellrecht gescheitert, sagte der Geschäftsführer der WDR Mediagroup, Michael Loeb, am Mittwoch beim Medienforum NRW in Köln. "Eine große senderübergreifende Plattform für deutsches Fernsehen ist vor dem Markteintritt von Netflix nun nicht mehr möglich."

Foto: Netflix

Die Wettbewerbslage schade dem Medienstandort Deutschland, sagte der Beauftragte für digitale Strategien beim ZDF, Robert Amlung: "Aus Nutzersicht ist es wahrscheinlich am Schluss relativ egal, wenn die großen Player aus den USA einen guten Job machen. Aber das, was eben der Effekt ist, ist, dass einfach ein Teil des Kuchens über den Teich wandert und eben nicht in Deutschland bleibt. Und das kann eigentlich nicht im Interesse des Medienstandorts sein."

Die Politik müsse ein "Korrektiv" im Kartellrecht schaffen, um Kooperationen unter Privaten und Öffentlich-Rechtlichen bei Video-Plattformen zu erleichtern, forderte WDR-Mediagroup-Geschäftsführer Loeb. Zurzeit sei es "internationalen Anbietern wie Netflix möglich, den Nutzern weitaus breitere und günstigere Angebote zu präsentieren, als die nationalen Anbieter das können, die aufgrund der kartellrechtlichen Auflagen solche attraktiven, wettbewerbsfähigen Angebote nicht am Markt platzieren können." US-Senderketten könnten Werbeeinbußen im Gegensatz zu deutschen Anbietern mit der gemeinsamen Plattform Hulu ausgleichen.

Der Geschäftsführer von RTL interactive, Marc Schröder, plädierte für einen "unaufgeregten Umgang" mit Netflix. "Wir sind alle sehr gut vorbereitet auf den Markteintritt eines weiteren Teilnehmers." Sorgen bereite ihm eher die Möglichkeit, dass ein Online-Händler Fernsehen nur als Nebengeschäft und allein dafür nutze, um Kunden für andere Produkte zu gewinnen. "Da werde ich nervös, weil das letztlich eine Entwertung des gesamten Marktes ist." (dap/tc)