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Nächste Schnäppchen-Website plant Milliarden-Börsengang

11.07.2011
Die Liste der blutjungen Internet-Firmen, die an die Börse streben und plötzlich Milliarden wert sind, wird immer länger.

Jetzt zieht es angeblich die Schnäppchen-Website LivingSocial aufs Parkett - einen kleineren Rivalen des Marktführers Groupon.

LivingSocial - eine weitere Schnäppchen-Website im Stil von Groupon.
LivingSocial - eine weitere Schnäppchen-Website im Stil von Groupon.

Der Internet-Goldrausch geht weiter: Die Schnäppchen-Website LivingSocial will laut US-Medienberichten bei einem Börsengang eine Milliarde Dollar einnehmen. Bei LivingSocial kann man sich wie beim Marktführer Groupon Gutscheine für Restaurants oder Dienstleistungen mit hohen Rabatten sichern. Damit wird auch das Nachahmerproblem von Groupon deutlich: Viele glauben, mit den täglichen Deals schnell Geld machen zu können.

Nach der Aktienplatzierung strebe LivingSocial einen Börsenwert von zehn bis 15 Milliarden Dollar an, berichteten unter anderem das "Wall Street Journal", die "New York Times" und der Sender CNBC am Wochenende. LivingSocial habe gerade unter anderem die Deutsche Bank mit den Vorbereitungen für den Börsengang beauftragt, hieß es unter Berufung auf eingeweihte Personen.

LivingSocial funktioniert wie Groupon: Die Websites bieten ihren Nutzern täglich Sonderangebote bei Firmen aus der Umgebung. Das Ganze klappt aber nur, wenn genügend Leute zugreifen. Die Internet-Unternehmen selbst kassieren eine Provision für die Vermittlung. Bei Groupon soll es bis zur Hälfte des Gutschein-Preises sein. Damit ist das Geschäftsmodell im Prinzip extrem lukrativ - andererseits investiert Groupon aber massiv in Vertriebsmannschaften, um neue Kunden hereinzuholen, und schreibt dadurch hohe Verluste.

Immer mehr Konkurrenten drängen in das Coupon-Geschäft. Unter anderem zieht Google seinen eigenen Schnäppchendienst namens "Google Offers" auf. Und auch das Online-Netzwerk Facebook mit seinen 750 Millionen Mitgliedern mischt mit "Facebook Deals" mit. Groupon sprach im Juni von über 80 Millionen Kunden.

Groupon machte seine Börsenpläne bereits offiziell: Bis zu 750 Millionen Dollar will das Unternehmen einsammeln. Die "New York Times" hält es sogar für denkbar, dass Groupon wegen der hohen Nachfrage das Volumen aufstockt und am Ende bis zu drei Milliarden Dollar erlöst; der Gesamtwert soll dann bei unglaublichen 30 Milliarden Dollar liegen.

LivingSocial war ursprünglich als Entwickler von Apps für Facebook gestartet. Die Firma will nach früheren Informationen in diesem Jahr beim Umsatz die Marke von einer Milliarde Dollar erreichen. Ein führender Investor ist der Online-Einzelhändler Amazon, der im vergangenen Jahr 175 Millionen Dollar in LivingSocial pumpte.

Bei den Internet-Firmen herrscht derzeit Goldgräberstimmung. Jüngst sind das berufliche Online-Netzwerk LinkedIn und das Internet-Radio Pandora mit Milliardenbewertungen an die Börse gegangen, der Online-Spieleentwickler Zynga ist gerade auf dem Weg dorthin und Facebooks Sprung aufs Parkett wird für 2012 erwartet. Viele der Firmen verdienen dabei nicht einmal Geld oder schreiben wie im Falle von Pandora sogar Verluste. Kritiker warnen deshalb schon vor einer neuen Internet-Blase.

Die Börsianer schauen ganz genau hin, wie viel Geld Investoren abseits der Börse auf den Tisch legen, um an Firmenanteile zu gelangen. Aus dem Preis für die einzelnen Anteile wird dann der Gesamtwert hochgerechnet. Die Zahl ist allerdings nur ein grober Anhaltspunkt für den Wert, den eine Internetfirma tatsächlich an der Börse einbringen kann. Bei Facebook kursieren Summen von 50 bis 100 Milliarden Dollar. LivingSocial hatte bei Investoren erst im April 400 Millionen Dollar zu einer Bewertung von drei Milliarden eingenommen, wie die "New York Times" berichtete. (dpa/tc)