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Nach Katrina: Verlierer und Gewinner unter US-Unternehmen

06.09.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Hurrikan "Katrina" hat in New Orleans sowie in dem Katastrophengebiet an der Golfküste von Louisiana, Mississippi und Alabama Schäden von mehr als 100 Milliarden Dollar angerichtet und bringt tägliche Kosten von 100 Millionen Dollar und anderem durch Geschäftsausfälle. Die Versicherungen könnten dabei mit bis zu 35 Milliarden Dollar zur Kasse gebeten werden, schätzt die auf Risikoanalysen spezialisierte Firma RMS. Dabei gibt es aber neben zahlreichen Verlierern der Katastrophe unter den US-Unternehmen auch Gewinner.

Der Hurrikan zerstörte oder beschädigte zahllose Hotels und Motels mit insgesamt 40.000 Zimmern. Es wird teilweise Monate dauern, ehe viele wieder öffnen können. Andere werden wohl nie wieder aufgebaut. Die verbliebenen Hotels im und um das Katastrophengebiet machen hingegen glänzende Geschäfte. Sie sind ausgebucht mit Flüchtlingen, Hilfspersonal für die Katastrophenbewältigung, Versicherungsgutachtern sowie Mitarbeitern von Firmen, die ihre Geschäftsräume verloren hatten.

New Orleans nahm jährlich etwa fünf Milliarden Dollar durch Touristen ein. Eine Milliarde brachten die großen "Conventions", die meist mehrtägigen Jahrestreffen großer Verbände und Organisationen. Die Treffen werden jetzt in andere Städte im ganzen Land verlegt. Viele der Spielkasinos am Mississippi und an der Golfküste sind zerstört. Sie boten allein 15.000 Arbeitsplätze. Die weltgrößte Kreuzfahrtfirma Carnival erwartet eine Ergebnisbelastung von einem bis drei Cent je Aktie durch die "Katrina"-Folgen.

Noch 20 Wal-Mart-Geschäfte sind außer Betrieb. Der Stromversorger Entergy hat noch 459.000 Kunden ohne Strom gegenüber 1,1 Millionen ursprünglich betroffenen Haushalten. Entergy musste das Hauptquartier von New Orleans nach Clinton (Mississippi) verlegen. Das Unternehmen dürfte Milliardenverluste durch den Sturm erleiden. Es setzte 9000 Arbeiter für Reparaturen ein, gegenüber normalerweise nur 1200 Mann.

Die große Telefongesellschaft Bellsouth Corp. hatte am Wochenende den Zugang zu 350.000 von insgesamt 598.000 in Mississippi betroffenen Kunden wieder hergestellt. In New Orleans liegt der Telefonverkehr noch brach. Das Unternehmen hat 7600 Beschäftigte in dem Katastrophengebiet. BellSouth errichtete Zeltstädte in Baton Rouge (Louisiana) und Gulfport (Mississippi) errichtet, um ihnen und ihren Familien Unterkunft und Verpflegung zu bieten. Die Kosten für ausgefallene Telefongebühren und "Katrina"-Auswirkungen könnten bei BellSouth hunderte von Millionen Dollar erreichen.

Alle Firmen mussten ihre Büros in New Orleans nach Houston oder in andere US-Städte verlegen. Vor allem in Houston gab es eine plötzliche starke Nachfrage nach Büroräumen. Der Hafen Houston sowie andere Häfen an der Küste des Golfs von Mexiko erwarten einen starken Andrang von Schiffen, die nicht mehr in den verwüsteten Hafen von New Orleans kommen können, einen der wichtigsten der USA.

Die Aktien der Ölfeldausrüster, die jetzt die Reparaturen an den teilweise noch außer Gefecht befindlichen Raffinerien sowie an zahlreichen beschädigten oder ganz zerstörten Bohrinseln und Pipelines im Golf von Mexiko durchführen müssen, sind in den vergangenen Tagen stark gestiegen. Dazu zählen unter anderem Halliburton, McDermott International, Baker Hughes, Chicago Bridge and Iron und Global Industries.

Die Ölkonzerne, und vor allem die insgesamt 58 amerikanischen Raffineriebetreiber, sahnen momentan dank der Rekordpreise für Treibstoffe, Erdgas und Heizöl sowie der extrem hohen Raffinerie-Gewinnmargen kräftig ab. Dagegen kosten die hohen Treibstoffpreise die US-Fluggesellschaften und Speditionen riesige Summen. Die Autohersteller General Motors, Ford und DaimlerChrysler könnten in den kommenden Monaten durch rückläufige oder stagnierende Absatzzahlen für ihre lukrativen großen Geländewagen, Pickups und Minivans leiden. (dpa/tc)