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Alternative zu YouTube

Musikvideo-Dienst Vevo kommt nach Deutschland

02.09.2013
Deutsche Internet-Nutzer gucken bisher oft in die Röhre, wenn es um Musik-Videos geht: Viele populäre Songs sind bei der populären Plattform YouTube wegen eines Streits mit der Gema nicht zu sehen. Die Musikbranche nimmt jetzt eine Abkürzung mit dem Dienst Vevo.

Dieses Musik-Video ist in Deinem Land verfügbar: Der US-Dienst Vevo wird bis zum Jahresende auch in Deutschland starten. Damit bekommt die Google-Plattform YouTube, die in Deutschland in einem lähmenden Streit mit der Verwertungsgesellschaft Gema steckt, einen mächtigen Konkurrenten. Denn Vevo gehört direkt Sony und dem weltgrößten Musikkonzern Universal Music.

Vevo gehört Sony und Universal Music und will noch vor Jahresende in Deutschland loslegen.
Vevo gehört Sony und Universal Music und will noch vor Jahresende in Deutschland loslegen.

Vevo ist ein kostenloser und werbefinanzierter Dienst mit einem Arsenal von rund 75.000 Musik-Videoclips. Die Nutzer werden auf Vevo in Deutschland über die Website, die Apps für Smartphones und Tablets, die Settop-Box Apple TV und die Spielekonsole Xbox zugreifen können.

Bei der Google-Videoplattform YouTube sind seit Jahren viele Musikvideos in Deutschland nicht verfügbar, weil der Internet-Konzern und die Gema über Abgaben streiten. So konnte man zum Beispiel den meistgesehene YouTube-Clip - das Video zum Song "Gangnam Style" des südkoreanischen Rappers Psy - in Deutschland auf der Google-Plattform nicht sehen. Zentraler Streitpunkt ist dem Vernehmen nach, welche Abgaben Google bei Videos, zu denen keine Werbung angezeigt wird, an die Gema leisten muss.

Vevo erzielte eine Einigung mit der Gema, deren Konditionen nicht genannt wurden. Die Geschäftsführung in Deutschland übernahm Tina Funk, die zuvor unter anderem in der Musikindustrie gearbeitet hatte, wie das Unternehmen in der Nacht zum Montag mitteilte.

"Dieser Marktstart unterscheidet sich sehr von den bisherigen", sagte der für das internationale Geschäft zuständige Vevo-Manager Nic Jones der "Financial Times". Vevo ist bislang in zwölf Ländern aktiv. Außerhalb Deutschlands kooperiert Vevo mit YouTube. Der Dienst wolle sich aber unabhängiger von der Google-Videoplattform machen, um die Werbeeinnahmen nicht teilen zu müssen, schrieb vor einigen Wochen das "Wall Street Journal" unter Berufung auf informierte Personen. Dem Bericht zufolge laufen über zwei Drittel der Abrufe von Videos aus der Vevo-Plattform in den USA derzeit über YouTube. Zugleich bekam Google im vergangenen Jahr laut unbestätigten Medienberichten einen kleinen Anteil von sieben Prozent an Vevo.

Die Plattformen zur Übertragung von Video über das Internet sind immer schneller auf dem Vormarsch. In Deutschland sind etwa Dienste wie Maxdome oder Watchever aktiv. Über internetfähige TV-Geräte oder Settop-Boxen rücken sie auch auf die großen Wohnzimmer-Bildschirme vor. Am Montag wurde die nächste Kooperation dieser Art bekanntgegeben: Der Dienst MyVideo, eine Tochter des TV-Konzerns ProSiebenSat.1, ist künftig auf den Smart-TV-Geräten von LG verfügbar. (dpa/tc)