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Musikindustrie will das Tauschübel an der Wurzel ausrotten

03.07.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Musikindustrie will offenbar dem illegalen Treiben in den zahlreichen Internet-Tauschbörsen nicht länger mehr oder weniger tatenlos zusehen: Neben juristischen Attacken gegen einzelne Fileswapping-Anbieter und kopiergeschützten CDs bereitet sie einem Bericht des "Wall Street Journal" eine neue Kampagne vor, die auch Prozesse gegen besonders aktive Song-Tauscher beinhaltet. Die RIAA (Recording Industry Association of America) bereite diese Schritte gerade vor, die unter anderem durch eine Image-Kampagne mit prominenten Künstlern flankiert werden soll.

Die bisherigen Attacken der Industrie konnten Wachstum und Popularität der Tauschbörsen nicht wirksam genug eindämmen. Die Filesharing-Software von Morpheus und Kazaa wurde nach Zählung von Cnets Download.com jeweils mehr als 95 und 90 Millionen Mal heruntergeladen. Insidern zufolge befinden sich die Pläne der Musikbranche noch in einem recht frühen Stadium. Unter anderem gilt es zu klären, unter welchen Voraussetzungen Einzelpersonen vor den Kadi gezerrt werden sollen. Auch Details und Zielrichtung der PR-Bemühungen stehen noch nicht fest. Die meisten Künstler stehen bislang nicht eben an vorderster Front gegen Musikpiraterie, und einige unterstützen Filesharing sogar ausdrücklich.

Im Visier hat die RIAA auf jeden Vieltauscher und auch so genannte "Supernodes", Leute die in den dezentralen Filesharing-Netzen die Verzeichnisse bereitstellen. Zu den stärksten Befürwortern eines harscheren Vorgehens gehören Universal und Sony Music. Ob alle fünf großen Majors sich gleich engagieren wollen, ist unklar - AOL Time Warner könnte beispielsweise negative Auswirkungen auf seinen Online-Dienst befürchten. Und Bertelsmann setzt bekanntlich immer noch auf den Filesharing-Pionier Napster, der in einen Bezahldienst verwandelt werden soll. (tc)