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Murdoch pumpt frisches Geld in Sky Deutschland

03.08.2010
Medienmogul Rupert Murdoch pumpt frisches Kapital in den tief in der Krise steckenden Bezahlsender Sky Deutschland.
Der neue Sky-Chef Brian Sullivan (Fotos: Sky)
Der neue Sky-Chef Brian Sullivan (Fotos: Sky)

Wie der Konzern am Montagabend überraschend mitteilte, sollen mit einer Kapitalerhöhung und einer Wandelanleihe mindestens 340 Millionen Euro in die Kassen der Münchner kommen. Zugleich verabschiedete sich der neue Konzernchef Brian Sullivan vom ehrgeizigen Ziel, im kommenden Jahr profitabel zu werden. Die Zahlen bleiben 2010 und auch 2011 rot.

Die Kapitalerhöhung werde vom Großaktionär News Corp. über eine Tochtergesellschaft abgesichert. Das Engagement von Murdochs Konzern sei ein deutliches Bekenntnis zu dem Sender, sagte Sullivan. Es ist die siebte Kapitalerhöhung für den früher unter dem Namen Premiere sendenden Abo-Kanal, der seit seiner Gründung nie wirklich auf die Beine gekommen ist. Ursprünglich hatte Sullivan für das kommenden Jahr angepeilt, Sky profitabel zu machen. Er hatte erst im April den Chefsessel von Mark Williams übernommen.

Abonnentenzahl weiter deutlich unter den Erwartungen

Die Zentrale von Sky Deutschland
Die Zentrale von Sky Deutschland
Foto: Sky

Im zweiten Quartal blieb der Sender in den roten Zahlen. Das EBITDA blieb mit einem Minus von 47,4 Millionen Euro negativ, auch wenn es im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um gut 16 Millionen Euro geringer ausfiel. Kaum voran kam der Sender bei den Abo-Zahlen. Um Kündigungen bereinigt erhöhte sich die Zahl der Abonnenten um nur 6000 auf 2,47 Millionen und liegt damit weiter deutlich unter den Erwartungen. Um das ursprüngliche Ziel, bis 2011 profitabel zu werden, zu erreichen, müsste Sky zwischen 2,8 und drei Millionen Kunden haben. Dafür hätte Sky rund 80.000 neue Abos pro Quartal verkaufen müssen. Nun rechnet der Konzern auch 2011 mit roten Zahlen. Das vollständige Ergebnis will Sky am 13. August vorlegen.

"Wir sind auf dem richtigen Weg, ich bin jedoch mit der Geschwindigkeit unserer Entwicklung nicht zufrieden", sagte Sullivan. "Die Zahlen sind nicht dort, wo wir sie erwartet haben." Er glaube dennoch fest daran, dass profitables Bezahlfernsehen in Deutschland möglich sei. Vor allem bei den HD-Kunden zeige der Trend nach oben, auch der Umsatz pro Kunde habe sich im zweiten Quartal deutlich gesteigert. Für dieses Jahr rechnet Sky weiter mit Verlusten. Das Geld aus der Kapitalerhöhung soll unter anderem in den Ausbau des HD- Angebots für hochauflösendes Fernsehen, die raschere Verbreitung des Sky+ Festplattenreceivers und eine bessere Kundenbetreuung fließen.

Mehrfach Spekulationen über weitere Kapitalspritze

Sky-Kameramann im Fußballstadion
Sky-Kameramann im Fußballstadion
Foto: Sky

Sky hatte im vergangenen Jahr unter dem Strich ein Minus von 676,5 Millionen Euro nach einem Verlust von 269,4 Millionen Euro im Vorjahr verbucht. Allein den Abschied von Premiere hatte der Konzern mit Abschreibungen von rund 254 Millionen Euro teuer bezahlen müssen. Der Umsatz des Senders war 2009 um rund vier Prozent auf 902,1 Millionen Euro gesunken.

Über eine weitere Kapitalspritze war mehrfach spekuliert worden. Auf der Hauptversammlung Ende April hatten die Aktionäre die Grundsatzbeschlüsse dafür gefasst. Zugleich wählten die Anteilseigner den Murdoch-Vertrauten Chase Carey in den Aufsichtsrat. Später wurde die Nummer zwei von News Corp. in dem Gremium zum Vorsitzenden gewählt. Beobachter werteten dies als Zeichen, dass Murdoch die Dauerbaustelle Sky Deutschland zur Chefsache macht. (dpa/tc)