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Das Zauberwort heißt GTFS

München und Münster in Google Transit

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Endlich ist der Anfang gemacht: Seit heute kann man mit Google Transit beziehungsweise Maps Routen in München und Münster auch mit dem kompletten ÖPNV planen.
MVG-Chef Herbert König kündigt die Kooperation mit Google an.
MVG-Chef Herbert König kündigt die Kooperation mit Google an.
Foto: Thomas Cloer

Dafür stellen die Münchener Verkehrsgesellschaft (MVG) und die Stadtwerke Münster ihre Fahrplandaten in einem für Google maschinenlesbaren Format bereit. Bei der MVG umfasst das Angebot sämtliche 100 Linien U-Bahn, Bus und Tram mit mehr als 1200 Haltestellen und dazugehörigen Fahrplänen. Die entsprechende, nicht exklusive Kooperation kündigten Google und die MVG heute Vormittag in der Münchner Niederlassung von Google an.

Bei der Bereitstellung von ÖPNV-Informationen setzt Google auf den offenen Standard GTFS (General Transit Feed Specification), den der Internet-Konzern im Jahr 2005 mit angestoßen hat. GTFS steht allen interessierten Parteien lizenzkostenfrei zu Verfügung; mehr als 500 Städte weltweit sind darüber mittlerweile in Google Transit erschlossen. Seit Anfang des Jahres stellt die Deutsche Bahn bereits ihre überregionalen Verbindungen und teilweise auch regionale Fahrpläne - etwa die der Münchner S-Bahn - über Google Transit bereit.

Vom Büro zum Allwetterzoo Münster mit Tram, U-Bahn, Bahn und Bus - geplant mit Google Maps / Transit.
Vom Büro zum Allwetterzoo Münster mit Tram, U-Bahn, Bahn und Bus - geplant mit Google Maps / Transit.

Bei der MVG haben zwei Mitarbeiter ein halbes Jahr daran gearbeitet, die umfangreichen Fahrplaninformationen (die auch Fußwege bis zur Haltestelle und zum endgültigen Ziel einschließen) via GTFS bereitzustellen. Im ersten Schritt ist man so weit, dass die Daten alle zwei Monate aktualisiert werden können. Dabei soll es aber natürlich nicht bleiben - als nächstes wird eine tägliche Aktualisierung angepeilt und irgendwann auch die Übergabe von Live-Daten, die die MVG bereits über ihre eigene Smartphone-App sowie auf der Webseite www.mvg-live.de anbietet. Die GTFS-Umsetzung ist hier allerdings nicht trivial, unter anderem weil die Daten aus zwei verschiedenen Leitsystemen kommen, je eines für die U-Bahn und Bus/Tram.

"Dass die öffentlichen Verkehrsunternehmen ihre Daten zur Verfügung stellen ist nicht nur kundenfreundlich, sondern auch folgerichtig, nachdem die DB seit kurzem mit ihren Verbindungen bei Google Transit präsent ist", sagt MVG-Chef Herbert König, der außerdem Vizepräsident des internationalen Nahverkehrsverbandes UIPT und des deutschen Verbands der Verkehrsunternehmen (VDV) ist. "Denn nur dann empfiehlt sich der ÖPNV als echte Alternative zum Auto. Die MVG-Fahrpläne vervollständigen den Service von Google und erhöhen damit den Nutzwert. Die Integration unserer Fahrplandaten bei Google Transit bietet uns darüber hinaus die Chance, Bus und Bahn noch besser zu vermarkten und neue Kunden zu gewinnen."

Dr. Wieland Holfelder leitet die Münchner Entwicklungs-Niederlassung von Google.
Dr. Wieland Holfelder leitet die Münchner Entwicklungs-Niederlassung von Google.
Foto: Thomas Cloer

Bei der Kooperation zwischen MVG und Google fließt übrigens kein Geld in irgendeine Richtung. "Keiner zahlt an keinen - und profitieren tun die Nutzer", erklärt Dr. Wieland Holfelder, Leiter der Münchner Entwicklungs-Niederlassung, wo Google unter anderem am hauseigenen Browser Chrome und diversen Privacy-Lösungen arbeitet. Bleibt nur zu hoffen, dass viele andere Verkehrsunternehmen dem Vorbild der MVG und der Stadtwerke Münster folgen und ihre Daten ebenfalls via GTFS für Google und andere interessierte Karten- und App-Anbieter bereitstellen. Darauf können wir alle übrigens als Kunden Druck machen - einfach indem wir öfters mal nachfragen, warum das bis dato noch nicht passiert.