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Motorola schreibt weniger Verlust als erwartet

17.04.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der US-Halbleiter- und TK-Equipment-Hersteller Motorola hat in seinem ersten Geschäftsquartal (Ende: 31. März 2002) einen Nettoverlust von 449 Millionen Dollar oder 20 Cent je Aktie ausgewiesen. Dabei handelt es sich um das fünfte Defizit in Folge. Allerdings fiel das Minus geringer aus als noch im vergleichbaren Vorjahreszeitraum, als Motorola einen Verlust von 533 Millionen Dollar oder 24 Cent pro Anteilschein verbuchte. Ohne Berücksichtigung von Sonderbelastungen wie Investitionsverluste beläuft sich das Defizit auf 174 Millionen Dollar oder acht Cent pro Anteilschein. Analysten hatten im Durchschnitt laut First Call/Thomson Financial ein operatives Minus von zwölf Cent je Aktie erwartet. Der Umsatz des Unternehmens sank im abgelaufenen Berichtszeitraum um 22 Prozent auf 6,02 Milliarden Dollar.

Für die Sparte Personal Communications, zu der die Handy-Division von Motorola gehört, meldet Motorola einen leichten Umsatzanstieg von einem Prozent auf 2,3 Milliarden Dollar. Allerdings fielen die Aufträge gegenüber dem Vorjahresquartal um elf Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar. Operativ schreibt die Einheit nach einem Verlust von 382 Millionen Dollar im Vorjahr mit plus 108 Millionen Dollar wieder schwarze Zahlen.

Die Division Global Telecom Solutions, die Mobilfunkinfrastruktur herstellt, machte mit 1,1 Milliarden Dollar um 36 Prozent weniger Umsatz als noch vor einem Jahr. Die Aufträge sanken um 17 Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar. Während diese Sparte im ersten Geschäftsquartal 2001 noch auf einen operativen Gewinn von 42 Millionen Dollar kam, stand in diesem Jahr ein Minus von 49 Millionen Dollar unter dem Strich.

Motorolas Halbleitergeschäft enttäuscht im abgelaufenen Berichtszeitraum erneut: Die Einnahmen schrumpften aufgrund der allgemeinen Krise in der Chipindustrie um 26 Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar, die Aufträge gingen um 18 Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar zurück. Der operative Verlust weitete sich von 95 auf 226 Millionen Dollar aus.

Die übrigen Geschäftsbereiche Broadband Communications Segment, Commercial, Government and Industrial Solutions Segment sowie Integrated Electronic Systems Segment verbuchten sinkende Einnahmen, konnten jedoch bis auf die Breitbandeinheit höhere operative Gewinne erzielen.

Aufgrund der weltweit "turbulenten Marktsituation" sei es schwierig, Prognosen für die Zukunft abzugeben, erklärte Motorola-Chef Christopher Galvin. "Trotzdem halten wir daran fest, dass Motorola in der zweiten Jahreshälfte 2002 in die Gewinnzone zurückkehren wird." Auch im gesamten Geschäftsjahr rechnet Galvin mit schwarzen Zahlen auf operativer Basis, sofern die politische und wirtschaftliche Lage einigermaßen konstant bleibt.

Die Anleger reagierten erfreut auf die nachbörslich veröffentlichten Zahlen und Aussichten: Das Motorola-Papier, das im Sog der positiven Ergebnisse von Sprint im regulären Handel bereits um 9,4 Prozent auf 15 Dollar zulegen konnte, stieg nach Handelsschluss um weitere 2,9 Prozent auf 15,44 Dollar. (ka)