Digitale Schriften

Monotype Imaging kauft Font-Geschäft von Bitstream

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Der Markt für digitale Schriften wird immer mehr zur Monokultur: Monotype Imaging will nach etlichen früheren Übernahmen jetzt auch noch das Font-Business von Bitstream schlucken.
Monotype hat gerade die Web-Klassiker Georgia und Verdana als "Pro"-Schriften mit mehr Schnitten und erweitertem Zeichenvorrat veröffentlicht.
Monotype hat gerade die Web-Klassiker Georgia und Verdana als "Pro"-Schriften mit mehr Schnitten und erweitertem Zeichenvorrat veröffentlicht.

Für 50 Millionen Dollar in bar will Monotype die Bitstream-Website MyFonts.com (hat knapp 90.000 Fonts von fast 900 Foundries im Angebot), den Schrifterkennungs-Service "WhatTheFont", die Schriftenbibliothek von Bitstream sowie deren Font-Rendering- und -Layout-Techniken "Font Fusion" und "Bitstream Panorama" erwerben. Dazu kommen noch eine Reihe von Schriften für mobile und Embedded-Umgebungen sowie zehn Patente. Im Zuge der Übernahme sollen rund 15 Mitarbeiter aus der Bitstream-Zentrale in Marlborough, Massachusetts, sowie rund 40 Entwickler und Schrift-Designer am indischen Entwicklungsstandort Noida zu Monotype wechseln.

Bitstream, das 1981 von unter anderem Matthew Carter gegründet wurde und im September 2010 eine Finanzberatung mit der Prüfung strategischer Optionen zur Steigerung des Shareholder Value beauftagt hatte, behält lediglich seinen Smartphone-Browser "Bolt" und seine "Pageflex"-Technologien für Variable Data Publishing.

Monotype (1887 als Anbieter von Setzmaschinen gegründet) hat neben der eigenen Schriftbibliothek auch die Libraries von Linotype und ITC übernommen. Mit dem Kauf des Font-Geschäfts von Bitstream, dessen erklärte Stärken im E-Commerce- und OEM-Business liegen, wird Monotype noch mehr zum Monopolanbieter im Bereich digitaler Schriften. Erik Spiekermann, der FontShop Berlin mitgegründet hatte, lästerte bei Twitter, ob die Firma nun wohl in Monopoly Imaging umbenannt werde. FontShop sei jedenfalls der einzig nennenswerte überlebende Mitbewerber außerhalb des Monotype-Monopols, so Spiekermann weiter.

Digitale Schriften (Fonts) sind auf jedem Computer installiert. Jeder Betriebssystemanbieter liefert eine lizenzierte Grundausstattung mit, manche Softwarepakete wie Microsoft Office steuern weitere Schriften bei. Wer darüber hinaus mehr Auswahl braucht, muss zusätzliche Fonts bei einschlägigen Anbietern in Lizenz nehmen. Hochwertige Schriften sind sehr teuer - und den wenigsten Computernutzern ist bewusst, dass bei Verwendung von Raubkopien drastische Strafen drohen können.

Auf HTML-basierenden Webseiten ist die Auswahl der Schriften bislang meist noch auf die Web-Schriftarten begrenzt, die Microsoft einst zum Standardrepertoire gekürt hatte. Allerdings ermöglichen neuere Webstandards endlich die Verwendung sogenannter Webfonts, die von mehreren Anbietern kostenlos (Google) oder kommerziell offeriert werden. Auch hier ist Monotype bereits gut im Geschäft.