Für KMU

Moderne ERP-Lösungen aus der deutschen Cloud

Diego Wyllie hat Wirtschaftsinformatik an der TU München studiert und verbringt als Softwareentwickler und Fachautor viel Zeit mit Schreiben – entweder Programmcode für Web- und Mobile-Anwendungen oder Fachartikel rund um Softwarethemen.
Während das Interesse an CRM-, Collaboration- und Kommunikationslösungen im SaaS-Modell immer weiter steigt, zeigen sich Firmenkunden ERP-Systemen aus der Cloud eher skeptisch gegenüber. Im Folgenden eine Vorstellung leistungsfähiger Lösungen, die das Potenzial von Cloud-ERP aufzeigen und in Deutschland entwickelt und betrieben werden

Der Einsatz von Cloud-basierenden Business-Anwendungen in den Bereichen Kundenmanagement, Collaboration, Produktivität und Unternehmenskommunikation scheint längst gelernt und akzeptiert zu sein. Business-Intelligence- und vor allem ERP-Systeme, die On-Demand angeboten werden, kommen dagegen bei deutschen Betrieben nicht so gut an. So haben die Marktforscher der Experton Group ihre Erwartungen für die Marktentwicklung im Bereich Cloud-ERP deutlich zurücknehmen müssen. So sollen die Ausgaben für Warenwirtschaftslösungen von 35,1 Millionen Euro dieses Jahr auf 282,6 Millionen Euro bis 2017 steigen. Ursprünglich hatten die Experton-Spezialisten jedoch einen Gesamtumsatz von 467 Millionen Euro für 2016 prognostiziert. Große Bedenken und Vorbehalte bezüglich Datenschutz und -Sicherheit seitens der Kunden, sowie fehlende Anpassbarkeit und mangelnde Flexibilität werden von Experten oft als Hauptgründe für diese Entwicklung genannt.

Wir stellen sechs moderne ERP-Systeme aus der Cloud vor, die speziell für kleine und mittelständische Betriebe konzipiert sind, und hierzulande gehostet werden. Sie zeigen, dass sich deutsche ERP-Anbieter verstärkt darum bemühen, ihre Systeme an den Anforderungen der Business-Anwender hinsichtlich Flexibilität und Individualisierung besser auszurichten.

Weclapp

Die Weclapp GmbH aus Marburg stellt moderne Business-Lösungen in der Cloud zur Verfügung - von Projekt-Management-, über CRM- und Helpdesk- bis hin zu ERP-Systemen. Mit der auf Java basierenden "Weclapp Warenwirtschaft” verspricht der international ausgerichtete Anbieter, Geschäftsprozesse im Verkauf, Einkauf, Produktion und Lagerverwaltung sicher und effizient managen zu können. Neben der reinen Cloud-Lösung können Unternehmensanwender sich für eine hybride Lösung oder für den In-House-Betrieb entscheiden. Bei der integrierten Online-Lösung wird das System beim Anbieter gehostet und der Zugriff auf die Anwendung erfolgt über VPN.

Highlights: Wie bei komplexen ERP-Systemen üblich der Fall ist, ist die Weclapp-Software modular aufgebaut. Mit dem Verkaufsmodul können Anwender unterschiedliche Vertriebsgeschäftsprozesse abwickeln. So bietet die Software beispielsweise die Möglichkeit an, Angebote zu erstellen und diese anschließend in Aufträge umzuwandeln. Im Bereich Einkauf hilft das System bei der Lieferantenauswahl, der bedarfs- oder verbrauchsgesteuerten Disposition, der Bestellabwicklung, dem Wareneingang und der logistischen Rechnungskontrolle. Mit dem Produktionsmodul lassen sich Stücklisten als Baukästen, Strukturstücklisten oder Mengenstücklisten verwalten. Zu den zentralen, modul-übergreifenden Leistungsmerkmalen der Lösung zählen unter anderem Fremdwährungen, Multisprachfunktion, Seriennummernverwaltung, Handelssprachen, sowie Workflows.

Preise und Verfügbarkeit: Die Weclapp-Warenwirtschaft steht in drei Editionen zur Verfügung, die sich im Funktionsumfang unterscheiden und unterschiedliche Unternehmen adressieren. Handel- und Dienstleistungsbetriebe können auf die günstigste Variante zurückgreifen, die nur die Module Stammdaten und Vertrieb beinhaltet. Kostenpunkt: Ab knapp 15 Euro pro Anwender und Monat. Handelsunternehmen, die auch Einkauf und Lagerhaltung mit der Software managen möchten, müssen ab knapp 30 Euro pro Anwender und Monat auf den Tisch legen. Das teuerste Paket mit einem monatlichen Preis von knapp 40 Euro pro User enthält zusätzlich ein Produktionsmodul.

Sage Office Line 24

Sage Office Line 24
Sage Office Line 24
Foto: Diego Wyllie

Eine weitere Cloud-basierende ERP-Lösung ist "Sage Office Line 24”. Angeboten von der britischen Softwareschmiede Sage Software wurde das System Ende 2012 lanciert und richtet sich in erster Linie an Unternehmen im Handels- und Dienstleistungsbereich. Es basiert auf dem In-House-betriebenen ERP-System "Office Line Evolution” und legt den Fokus auf Warenwirtschaft und Rechnungswesen. Doch zahlreiche Zusatzlösungen, die im Sage AppCenter angeboten werden, sorgen für die nötige Flexibilität, die Kunden von ERP-Systemen in der Regel erwarten.

Highlights: Zu den zentralen Features im Bereich Warenwirtschaft, die eine detaillierte Kalkulation von Angeboten und Aufträgen ermöglichen, zählen zum Bespiel automatisiertes Bestellwesen und Lieferantenvergleiche, sowie umfassende Umsatzstatistiken zu Kunden, Lieferanten und Artikeln. Nützlich für international agierende Firmen: Die Software ist Mehrmandanten-, fremdsprachen- und fremdwährungsfähig. Punkten kann die Sage-Lösung zudem im Bereich Mobile. So können Manager unterwegs auf kritische Geschäftsdaten jederzeit zurückgreifen, sowie Kontakte, Aufgaben und Buchungen verwalten.

Preise und Verfügbarkeit: Das Cloud-ERP-System von Sage mit den Standard-Modulen Warenwirtschaft und Rechnungswesen kostet ab 89 Euro pro Anwender und Monat. Eine Besonderheit dabei: Der Vertrieb erfolgt ausschließlich über zertifizierte Sage-Partner, die das System bei individuellen Kundenanforderungen anpassen und um weitere Business-Pakete, die im AppCenter angeboten werden, ergänzen können. Damit verspricht der Anbieter das Beste aus zwei Welten: Die Kosteneffizienz einer Cloud-basierenden Standardlösung und die nötige Flexibilität, die Unternehmensanwender bei SaaS-Lösungen oft vergeblich suchen. Die mobile Sage-App ist für iOS (App Store-Link) und Android (Google Play-Link) erhältlich.

MyFactory Cloud

MyFactory Cloud
MyFactory Cloud
Foto: Diego Wyllie

Kleine Firmen, die bis jetzt wenige Erfahrungen mit ERP-Systemen gesammelt haben, sind die perfekten Kunden für SaaS-Anbieter. Denn solche Unternehmen haben in der Regel weder Ressourcen, um in Server-Hardware zu investieren, noch internes Know-How, um ein komplexes ERP-System in Eigenregie zu betreiben. An solche Einsteiger richtet sich der Service "MyFactory Cloud” der MyFactory International GmbH aus München.

Highlights: Die ERP-Suite fokussiert sich auf die Geschäftsbereiche Einkauf, Distribution, Lagerhaltung und Verkauf und ermöglicht zudem die zentrale Verwaltung von Kunden, Lieferanten und Artikeln. Sie umfasst Module unter anderem für Projekt- und Ressourcen-Management, CRM, Warenwirtschaft, sowie Finanzbuchhaltung. Im Bereich ERP bieten sich zahlreiche Funktionen an, die branchenübergreifende Standard-Prozesse abbilden. Die Basis-Funktionalität der Software ist durch Zusatzmodule, die für bestimmte Business-Szenarien konzipiert sind, erweiterbar. So können zum Beispiel Händler von den Modulen "Zahlungsverkehr” (Überweisungen, Lastschriften, etc.) und "Marktplätze” (Anbindung an eBay, Amazon, etc.) profitieren, während Hersteller auf spezielle Funktionsmodule wie "Fremdfertigung” oder "Lagerplatzverwaltung” zurückgreifen können.

Preise und Verfügbarkeit: Die MyFactory-Lösung ist in drei verschiedenen Paketen erhältlich. Die monatlichen Preise fangen bei knapp 300 Euro für fünf Anwender an. Im Preis sind nur die Standard-Module enthalten. Weitere Benutzer und Module können jederzeit hinzugebucht werden.

Scopevisio

Ein weiterer Anbieter Cloud-basierender ERP-Lösungen, die kleine und mittelständische Firmen anspricht, ist die Scopevisio AG aus Bonn. Mit der "Scopevisio Business Edition” adressiert der Hersteller Unternehmen, die auf der Suche nach einer zeitgemäßen und ganzheitlichen Business-Software sind.

Scopevisio
Scopevisio
Foto: Diego Wyllie

Highlights: So bringt Scopevisio Kundenmanagement, Vertrieb, Invoicing, Finanzen, Buchhaltung, Dokumenten-Management, sowie Präsentation unter einen Hut. Werkzeuge für Produktionsplanung und -Steuerung oder Lagerverwaltung, die bei klassischen ERP-Systemen als unverzichtbar gelten, sucht man hier vergeblich. Damit positioniert sich das Produkt als eine moderne und attraktive ERP-Alternative, mit der Anwender die vielfältigen und komplexen Arbeitsabläufe der heutigen Zeit effektiv in einer einzigen Business-Suite managen können. Davon können nicht zuletzt Architekten, Künstler, Ärzte und digitale Agenturen profitieren, die besonders viel Wert auf Benutzerfreundlichkeit und Einfachheit legen.

Preise und Verfügbarkeit: Scopevisio kann zudem mit einem flexiblen und transparenten Preismodell punkten, bei dem Kunden nur für die Funktionalität zahlen, die sie wirklich benötigen. Die Module für Vertrieb, Abrechnung, Finanzen, CRM und Teamwork kosten jeweils knapp 20 Euro Netto pro Anwender und Monat. Bei jedem einzelnen Modul lässt sich festlegen, wie viele Nutzer damit arbeiten sollen. Auf der Produkt-Website finden Interessierte einen Preis-Rechner, der die Gesamtkosten für individuelle Einsatzszenarien berechnet.

Work for All Cloud

Work for All Cloud
Work for All Cloud
Foto: Diego Wyllie

Eine interessante Alternative zu schlanken und modernen Business-Lösungen wie Scopevisio, die nicht nur Industriebetriebe, sondern auch Dienstleister wie Event-Veranstalter oder Werbe- und Internet-Agenturen adressieren, stellt die Software "Work for All” dar. Diese wird von der Point Software and Electronic Media GmbH aus Köln entwickelt und wurde heuer mit einem Innovationspreis der Initiative Mittelstand in der Kategorie ERP ausgezeichnet.

Highlights: Das Produkt verfolgt einen interessanten Lösungsansatz, bei dem CRM, ERP und Projekt-Management die zentralen Bausteine des Systems darstellen. Das Kunden-Management bildet dabei das Fundament jeder Work for All-Instanz und kann um die nahtlos integrierbaren Komponenten ERP und Projekt-Management erweitert werden. Die einheitliche Darstellung von CRM-, ERP- und Projekt-Daten ist ein Alleinstellungsmerkmal der Software und kann bei Firmen, die Projekt-orientierten Geschäftsabläufe optimieren wollen, ausschlaggebend sein. Ein nettes Feature, das im Alltag praktisch sein kann: Das System lässt sich mit Microsoft Office einbinden, so dass sich Daten auf einfache Weise von Word-Dokumenten und Excel-Tabellen in das System importieren lassen.

Preise und Verfügbarkeit: Neben der klassischen On-Premise-Version stellt der Hersteller seit 2012 in Kooperation mit der Hakodi EDV Systeme GmbH seine Business-Software auch On-Demand zur Verfügung. Die Preise hängen laut Anbieter von jeweiligen Einsatzszenario ab und werden leider nicht transparent auf der Produkt-Website präsentiert, wie bei den anderen aufgeführten Diensten der Fall ist.

Actindo

Actindo
Actindo
Foto: Diego Wyllie

Während viele ERP-Anbieter wie Weclapp, Sage oder Scopevisio auf branchenübergreifende Lösungen setzen, konzentrieren sich Andere auf Nischengruppen beziehungsweise bestimmte Industrien oder Marktsegmente. Speziell für den Handel und E-Commerce konzipiert ist die ERP-Komplettlösung "Actindo” von der gleichnamigen GmbH aus Ismaning bei München. Das System verspricht eine effiziente Strukturierung von Ressourcen, sowie die Automatisierung von Geschäftsabläufen, die in diesen Bereichen üblich sind.

Highlights: Bei Actindo handelt es sich um eine umfassende Software-Suite, die über ein breites Funktionsspektrum verfügt. Von Fakturierung, Warenwirtschaft und Logistik, über Finanzbuchhaltung und Dokumenten-Management bis hin zu Kundenkommunikation, Zahlungsabwicklung und Kundensupport: Das System stellt unzählige Tools bereit, mit denen sich Versandhandelsprozesse optimieren lassen sollen. Ferner erlaubt das Programm die nahtlose Anbindung von Marktplätzen, darunter Ebay, Amazon, Shopgate und Yatego.

Preise und Verfügbarkeit: Die Actindo-Version für Mittelständler ("Enterprise ERP-Suite”) kostet monatlich rund 500 Euro netto. Hinzu kommt eine einmalige Gebühr in Höhe von knapp 750 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer. Dabei ist die Anzahl an gleichzeitigen Benutzern auf drei beschränkt. Wer nicht alle Features der großen Enterprise-Suite benötigt, der kann ein günstigeres Paket wählen. Die monatlichen Preise für die Basis-Version fangen bei knapp 30 Euro netto an. Weitere Details können Interessierte der Preisübersicht auf der Produkt-Website entnehmen. (sh)