Gewinn sinkt

Mobilfunkausrüster Ericsson wächst unerwartet kräftig

24.10.2014
Der Mobilfunkausbau in Schwellenländern hat dem weltgrößten Netzausrüster Ericsson im dritten Quartal zu überraschend starkem Wachstum verholfen.

Vor allem lieferte der Konzern mehr Ausrüstung für mobile Breitband- und Internetverbindungen aus, wie Vorstandschef Hans Vestberg am Freitag sagte. Allerdings machte einem noch besseren Abschneiden der zuletzt starke US-Dollar einen Strich durch die Rechnung. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verdiente der Konzern unter dem Strich mit 2,65 Milliarden schwedischen Kronen (288 Millionen Euro) neun Prozent weniger.

Weil sich das Unternehmen gegen die Aufwertung der schwedischen Krone am Kapitalmarkt abgesichert hatte, verloren die Währungssicherungsgeschäfte an Wert, was den Gewinn belastete. Verluste bei der Währungskursabsicherung schlugen insgesamt mit 1,3 Milliarden Kronen zu Buche. Am Markt sahen die Investoren eher die positiven Seiten: Im frühen Handel gewann die Aktie in Stockholm rund 1,6 Prozent an Wert.

Hans Vestberg Ericsson 16:9 hires
Hans Vestberg Ericsson 16:9 hires
Foto: Ericsson

Der Umsatz wuchs in den drei Monaten bis Ende September um neun Prozent auf 57,6 Milliarden Kronen. Vor allem im Nahen Osten, China, Indien und Russland zog die Nachfrage an. Allerdings kam den Schweden hier auch der stärkere Dollar zugute: Ohne Währungseffekte und in der Zusammensetzung wie vor einem Jahr hätte das Plus nur drei Prozent betragen.

In den entwickelten Volkswirtschaften bot sich ein gemischtes Bild: In Großbritannien und Deutschland verzeichnete Ericsson bessere Geschäfte, in Südeuropa und Nordamerika waren die Netzbetreiber weniger ausgabefreudig. In Deutschland läuft der Ausbau des schnellen LTE-Mobilfunkstandards, zudem investiert Vodafone nach Problemen kräftig in sein Netz.

In Nordamerika hingegen hielten die Unternehmen derzeit eher ihr Geld zusammen, sagte Vestberg. Möglicher Grund: In diesem November und im kommenden Herbst stehen Frequenzauktionen in den USA an, die Milliarden kosten dürften. Zudem hatte Sprint, die Nummer drei auf dem US-Markt, einen großen Ausrüstungsvertrag mit dem finnischen Rivalen Nokia geschlossen. Dessen Nordamerikageschäft zog im dritten Quartal deutlich an.

Im Tagesgeschäft blieb bei Ericsson von jedem umgesetzten Euro mehr hängen. Die für den Konzern wichtige Bruttomarge kletterte im Jahresvergleich um mehr als drei Prozentpunkte auf 35,2 Prozent. Analysten hatten jedoch mit noch mehr gerechnet. Im Konkurrenzkampf mit Nokia, dem US-Konzern Cisco und den Chinesen von Huawei versucht sich Ericsson auf rentable Projekte zu konzentrieren. Das Buhlen um Aufträge hält die Margen aber unter Druck. Im Vergleich zu Ende 2011 haben die Schweden dennoch deutlich Boden gutgemacht. Zu dem Zeitpunkt hatte die Kennziffer bei gut 30 Prozent den niedrigsten Wert seit mindestens dem Jahr 1989 markiert. (dpa/tc)