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Mobilcom-Übernahme könnte für France Télécom teuer werden

11.04.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Plan von France Télécom, den Zwist mit Mobilcom-Chef Gerhard Schmid durch die Übernahme seiner 39,7-prozentigen Beteiligung an dem Unternehmen zu beenden (Computerwoche online berichtete), könnte die Franzosen teuer zu stehen kommen: Bei dem geplanten Erwerb der Mobilcom-Anteile durch eine Bankengruppe müssen die Investmenthäuser unter Umständen eine öffentliche Übernahmeofferte für alle Aktien des Mobilfunkanbieters abgeben, berichtet die "Financial Times Deutschland". Die Wirtschaftszeitung beruft sich dabei auf Informationen aus Börsenkreisen. Demnach fordert das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) von den betreffenden Banken

die Vorlage einer kompletten Kaufofferte für die Mobilcom AG.

Grund hierfür ist das seit Anfang des Jahres gültige Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz (WpÜG). Dieses verpflichtet einen Investor zu einem Kaufangebot an die verbleibenden Aktionäre, wenn sein Anteil an dem Unternehmen 30 Prozent erreicht oder übersteigt. Zwar wäre dies im Fall Mobilcom nicht der Fall, da sich das Paket auf vier bis fünf Banken verteilen würde. Es existieren jedoch Sonderregelungen, wenn die Käufer im Interesse eines Dritten handeln und damit die Anteile quasi vereint werden. France Télécom liegt selbst mit einer Beteiligung von 28,5 Prozent nur knapp unter der Grenze für ein öffentliches Pflichtangebot. Der mit mehr als 60 Milliarden Euro Schulden beladene französische TK-Konzern wollte den Kauf der im Streubesitz befindlichen rund 21,6 Prozent durch die Banken elegant vermeiden und gleichzeitig die eigene Bilanz nicht belasten.

Die beiden Kooperationspartner France Télécom und Mobilcom hatten monatelang über die erforderliche Höhe der Investitionen beim geplanten Aufbau eines deutschen UMTS-Netzes gestritten: Während Mobilcom-Chef Schmid den Netzaufbau zügig vorantreiben wollte und von seinem Partner eine Finanzspritze von 1,3 Milliarden Euro forderte, plante France Télécom, bis Ende 2003 höchstens 500 Millionen Euro zu investieren. (mb)