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Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid plant Comeback

04.09.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Wer geglaubt hatte, der ehemalige Mobilcom-Vorstandschef und -Gründer Gerhard Schmid trete nach seinem Rauswurf Ende Juni in den Vorruhestand, wird jetzt eines Besseren belehrt: Einem Bericht der Zeitung "Die Welt" zufolge will Schmid als Unternehmer neu starten. Der 50-jährige Topmanager nutzt dazu die frühere Mobilcom-Tochter Mobilcom Inkasso GmbH (MFI) in Schleswig. Schmid soll die zu 100 Prozent von ihm gehaltene Inkasso-Firma kräftig ausbauen und dabei nach Angaben eines Mobilcom-Managers gezielt Mitarbeiter von dem Büdelsdorfer Mobilfunkanbieter abwerben. Schmid hingegen räumte zwar ein, dass möglicherweise ehemalige Mobilcom-Mitarbeiter bei ihm beschäftigt seien. Eine Abwerbeaktion gäbe es hingegen nicht. Bei MFI arbeiten derzeit rund 40 Angestellte.

Auch den Verdächtigungen, es hätte in den vergangenen Jahren verdeckte Gewinnausschüttungen an die MFI gegeben, trat der Topmanager entgegen. Hierbei habe es sich vielmehr um normale Dienstleistungsverträge mit Mobilcom gehandelt, so Schmid, die mehrfach geprüft worden seien. Wie aus der Jahresbilanz hervorgeht, beliefen sich die Überweisungen aus Büdelsdorf im vergangenen Jahr auf 5,1 Millionen Euro, die MFI wiederum zahlte 467.000 Euro an Mobilcom.

Obwohl Schmid inzwischen eine neue Einnahmequelle hat, rechnet der mit knapp 50 Prozent an Mobilcom beteiligte Topmanager noch immer fest mit dem Kauf seines Aktienpakts durch France Télécom. In einem Gespräch mit "Die Welt" erklärte der Topmanager, es werde eine faire Lösung für alle Beteiligten geben. Schließlich, so Schmid, stünden bei Mobilcom 6000 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Den zuletzt kolportierten Preis von 7,50 Euro pro Aktie hält er aber für inakzeptabel. Richtwert sei vielmehr ein Preis von 14 Euro je Anteil, wie er zur Zeit der faktischen Machtübernahme im Juni gegolten habe. Seitdem hätten die Franzosen versucht, den Unternehmenswert zu drücken.

Bereits am gestrigen Dienstag hatte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) Schmids Einspruch abgewiesen und entschieden, dass France Télécom trotz der faktischen Machtübernahme kein Übernahmeangebot für die übrigen Mobilcom-Aktionäre abgeben müsse. Schmid will gegen diese Entscheidung nun gerichtlich vorgehen. (mb)