Web

 

Mobilcom erhält neue Gnadenfrist, die Mitarbeiter nicht

27.09.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Am heutigen Freitagvormittag hat der Mobilcom-Vorstandsvorsitzende Thorsten Grenz dem Betriebsrat den Sanierungsplan vorgestellt. Demnach ist geplant, den Ausbau des UMTS-Netzes vorerst auf Eis zu legen und rund 1000 der insgesamt 1200 Stellen in der Sparte abzubauen. Die verbleibenden Mitarbeiter werden benötigt, um die bestehenden Anlagen zu warten. Die für 8,4 Milliarden Euro ersteigerte UMTS-Lizenz soll vorerst behalten werden.

Um das Kerngeschäft, den Wiederverkauf von Mobilfunkverträgen der Netzbetreiber T-Mobile, Vodafone und E-Plus, im ersten Halbjahr 2003 wieder in die schwarzen Zahlen zu führen, sollen jährlich 130 Millionen Euro eingespart werden. Dazu werden mindestens 850 Stellen gestrichen. Insgesamt sieht das Sanierungsprogramm damit einen Stellenabbau von rund 1850 festen Arbeitsplätzen vor. Mobilcom beschäftigt derzeit nach eigenen Angaben insgesamt 5000 Mitarbeiter, davon sind rund 4200 Vollzeitkräfte. Vorstand und Betriebsrat wollen in den kommenden Wochen über einen Sozialplan und Interessenausgleich verhandeln.

Außerdem haben die Gläubigerbanken dem Büdelsdorfer Mobilfunkanbieter bis Ende Oktober Zeit gegeben, die ursprünglich am kommenden Montag fälligen Kredite über 4,7 Milliarden Euro zu tilgen, meldet die "Financial Times Deutschland". Bis dahin müsse das Unternehmen auch keine Zinsen zahlen, berichtet die Wirtschaftszeitung unter Berufung auf Informationen aus Aufsichtsratskreisen. Das Unternehmen wäre damit zum zweiten Mal innerhalb eines Monats knapp der Insolvenz entgangen. Mit der Stundung der Darlehen hat Mobilcom nun etwas Zeit gewonnen, sich mit dem Großaktionär France Télécom über Schadensersatzforderungen und die Übernahme von Schulden zu einigen. Der ehemalige Kooperationspartner hatte nach monatelangen Streit über Zeitplan und Investitionshöhe beim Aufbau eines deutschen UMTS-Netzes den Rahmenvertrag mit den Norddeutschen einseitig gekündigt und den Geldhahn zugedreht. Nach dem Ausstieg der Franzosen wurde

Mobilcom nur durch eine Finanzhilfe der Bundesregierung vor der drohenden Pleite gerettet. (mb)