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Microsoft will Telewest-Anteile loswerden

05.07.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Microsoft will seine Beteiligung an der hochverschuldeten Kabelnetzgesellschaft Telewest Communications loswerden. Nach einem Bericht des "Wallstreet Journal" bot die Gates-Company ihren 23,6-prozentigen Anteil dem Medienkonzern Liberty Media für 336,8 Millionen Euro an. Vor zwei Jahren hatte der Softwareriese in einem Tauschgeschäft mit AT&T noch 2,6 Milliarden Dollar für die Aktien ausgegeben.

Die Entscheidung kommt auf den ersten Blick überraschend, nachdem Microsoft noch bis Anfang letzten Jahres versucht hatte, eine Mehrheitsbeteiligung an dem Unternehmen zu erwerben. Die Pläne scheiterten jedoch wegen Antitrust-Bedenken von Seiten der EU-Kommission. Den Redmondern wurde damit untersagt, ein weiteres Standbein im europäischen Kabelnetzgeschäft zu schaffen und so über den Verwaltungsrat indirekt Einfluss auf die Wahl der Software für Settop-Boxen zu nehmen.

Bereits früher im Jahr hatte die Gates-Company ihre Beteiligung an der britischen Kabelnetzfirma NTL gesenkt. Die Anteile an der niederländischen Gesellschaft United Pan-Europe Communications (UPC) verkaufte Microsoft komplett. Die beiden Unternehmen hatten sich laut "Wallstreet Journal" entschlossen, interaktive TV-Dienste auf Basis von Software des Microsoft-Rivalen Liberate einzuführen.

Auch der jetzige Beteiligungsverkauf war absehbar: Microsoft hatte Mitte Mai seine drei Manager aus dem Verwaltungsrat des Unternehmens zurückgezogen. Damals wies Microsoft jedoch Spekulationen über einen baldigen Verkauf der Anteile zurück. (mb)