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Microsoft tritt in die Patentfettnäppchen von SCO

16.05.2007
Es mehren sich Stimmen, der Softwaregigant solle den Beweis für seine Behauptung vorlegen, dass Linux und andere Open-Source-Programme seine Patente verletzen.

Die DV-Branche scheint nicht sonderlich beeindruckt zu sein von Microsofts Drohungen mit dem Patentrecht gegen quelloffene Software. Dabei sieht der Redmonder Konzern, so ein öffentlicher Vorwurf seines Chefjustiziars Brad Smith, immerhin insgesamt 235 eigene Patente durch den Linux-Kernel, die Benutzeroberflächen des Betriebssystems und Open-Source-Anwendungen verletzt.

Novell hat auf die Behauptungen reagiert: "Während die Nennung von Zahlen neu ist, sind es die Behauptungen von Rechtsverletzungen nicht", erklärte das Unternehmen. In einer Erklärung verwies der Anbieter auf einen Brief von Firmenchef Ron Hovsepian aus dem vergangenen November. Dort hatte er ähnlichen Äußerungen von Microsoft-Boss Steve Ballmer widersprochen. Novell bekäftigt jetzt: "Diese Position hat sich nicht geändert." Die eher zurückhaltende Stellungnahme scheint darauf angelegt zu sein, den Streit nicht eskalieren zu lassen. Doch sie ist nicht wohl notwendig: Der Suse-Distributor wird jetzt wieder stärker mit Vorwürfen der Open-Source-Community konfrontiert, sein Vertrag mit Microsoft vom November letzten Jahres mache über die damals beschlossene Freisprechung von Suse-Anwendern von möglichen Patentklagen solche Attacken erst möglich.

Die US-amerikanische IT-Anbietervereinigung Computer & Communications Industry Association reagierte allergisch auf Microsoft: "Diese Art von Äußerungen ist so schockierend und unfundiert; und sie basiert wahrscheinlich auf Patenten, die bestenfalls fragwürdig sind", erklärte Ed Black, President und CEO der Organisation. "Es ist unwahrscheinlich, dass Microsoft tatsächlich Patentklagen gegen Open Source erheben wird", meint Black. "Wir sind außerdem der Überzeugung, dass kürzliche Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs die Gültigkeit dubioser Softwarepatente unterminieren. Gleichwohl sind wir beunruhigt: Diese Erklärungen scheinen einen Wechsel anzudeuten, weg von dem, was wir als ernste, wenn auch ansatzweise Bemühung bei Microsoft zu erkennen glaubten, wirklich offen zu sein."

Der Open-Source-Pionier Larry Augustin (ehedem VA Linux), der in den Aufsichtsräten von nicht weniger als sieben Open-Source-Startups – darunter SugarCRM, Xensource und Pentaho – sitzt, attackiert Microsoft ebenfalls offensiv. Die Firma sei "nicht interessiert an einer fairen Auseinandersetzung" und arbeite mit "Drohungen in der Hinterhand", schrieb er in seinem Blog. "Wenn Microsoft glaubt, freie und quelloffene Software verletze irgendwelche ihrer Patente, dann sollen sie diese Patente nun benennen, damit wir alle ihre Ansprüche bewerten können." (ls)