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Microsoft investiert massiv in seine Midmarket-Sparte

30.04.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Anbieter von Business-Software für den Mittelstand müssen sich bald richtig warm anziehen, denn Microsoft hat in diesem Bereich Großes vor. Das kündigte zumindest Doug Burgum, Senior Vice President und Chef des Bereichs Microsoft Business Solutions, in einem Interview mit "Computerwire" an. Das Engagement gehe über "Sloganism" deutlich hinaus, versicherte der frühere Great-Plains-Boss, denn Microsoft investiere zwei Milliarden Dollar in seinen Bereich, die zu gleichen Teilen in Produktentwicklung, Vertriebs- und Marketing-Initiativen sowie Investitionen in den Partnerkanal fließen sollen.

Ebenfalls bedeutsam ist eine interne Neuausrichtung des Vertriebs. Dabei sollen die Mannschaften von Business Solutions und Microsoft Kern-SMB-Bereich zusammengelegt werden, und zwar unter der Fahne von MBS sowie der gemeinsamen Leitung von Burgum und eines der wichtigsten Vertriebler des Redmonder Konzerns, Orlando Ayala (aktuell noch Group Vice President for Worldwide Sales, Marketing and Services). Microsoft werde damit erstmals kleinen und mittleren Kunden einen Single Point of Sales anbieten und Verwirrungen der Vergangenheit - wer MSCRM kaufen wollte, musste das bei Business Solutions tun; allerdings läuft die Software nur mit Exchange, und das verkaufte nur das SMB-Salesteam - vergessen machen.

Burgum hofft, mit dem neuen End-to-end-Angebot die wenig risikofreundlichen und meist nicht mit üppigen Ressourcen ausgestatteten Midmarket-Kunden besser adressieren zu können. "Dieser Markt ist unterbedient [under-serviced]", erklärte der Microsoft-Manager, "und das kritisiert uns genauso wie alle anderen. Unsere Vision - bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg - ist, dass kleine und mittlere Firmen einmal die gleichen Vorteile haben wie große Unternehmen. Microsofts Vision, mit der das Unternehmen erfolgreich war, ist es Produkte einfacher zu machen, die Preise zu senken und die Stückzahlen zu steigern. Die Produkte sind noch nicht so zuverlässig und einfach wie sie sein sollten, aber wir arbeiten daran."

Das hat zwar einen missionarischen Beigeschmack, Realität ist aber, dass Microsoft die Integrationshürden beseitigen will, die kleine und mittlere Unternehmen ausbremsen. Eine vom Hersteller in Auftrag gegebene Befragung ergab unlängst etwa, das 74 Prozent aller KMU-Anwender sich außerstande sehen, ihre vorhandenen Softwarepakete zu integrieren. Dem will Microsoft im Rahmen eines auf zehn Jahre ausgelegten Masterplanes mit dem "Microsoft Business Framework" begegnen, das kleinen und mittleren Anwenderfirmen eine Infrastruktur, Integrationsplattform und gängige Dienste bereit stellen und gleichzeitig als Basis für darauf aufsetzende "Produkte der nächsten Generation" dienen soll.

Davon ist allerding bis dato noch kaum etwas umgesetzt. Burgum räumt ein, dass bislang ein Großteil der Arbeit seines Bereichs einen internen Fokus aufwies - etwa die Integration von Produkten und Mannschaften von Great Plains und Navision sowie längerfristige Strategien für die Entwicklung der Next Generation Products. Ab dem ersten Juli soll ein Partnerprogramm die Sache aber weiter voranbringen, auch wenn sichtbare Resultate noch einige Zeit auf sich warten lassen dürften. Microsoft betätigt sich aus Sicht von Burgum aber als "verantwortlicher Plattform-Führer" und kommuniziere seine Pläne früher als üblich, damit Unternehmen ihre Zukunft entsprechend planen könnten. (tc)