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Microsoft entwickelt BitTorrent-Alternative

17.06.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - In seinen Forschungslabors im britischen Cambridge arbeitet Microsoft unter dem Codenamen "Avalanche" an einer Filesharing-Technik, die irgendwann die Verteilung große Dateien wie Filme, Fernsehprogramm oder Anwendungssoftware über das Internet vereinfachen könnte. Vom Konzept her ähnelt Avalanche bekannten Filesharing-Konzepten wie BitTorrent, indem es die zu übertragenden Files in kompaktere Stückchen aufteilt.

Damit hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf. Vor ihrer Verteilung kodiert Avalanche jede Teildatei mit einem speziellen Algorithmus so, dass jedes Stück Informationen über die restlichen Bestandteile des Ausgangs-Files enthält. "Jedes encodierte Stück trägt die 'DNA' aller anderen Teile in sich", erläuterte einer der Microsoft-Forscher anlässlich eines Tages der offenen Tür. Und natürlich soll Avalanche legal sein - es verteilt nur Dateihäppchen weiter, die von ihrem Urheber signiert wurden.

Einen Prototypen der Software setzt Microsoft selbst bereits ein, um Software an tausende von Beta-Testern zu verteilen. Damit konnte die Zeit für die Verbreitung einer 4 Gigabyte großen Datei auf einen Tag verkürzt werden gegenüber den zuvor üblichen zwei Wochen bei der Verteilung über herkömmliche Methoden wie Download-Server.

Mike Thompson, Principal Analyst der Butler Group, bezeichnete das Konzept von Avalanche als "beeindruckend" und als "exzellente Umsetzung von Peer-to-Peer". Allerdings sieht er zwei Probleme bei der Wahrnehmung der Technik - zum einen werde die Unterscheidung zwischen "gutem" und "bösem" P2P für Verwirrung sorgen, zum anderen seien Peer-to-Peer-Netze hervorragend zur Verbreitung von Malware geeignet. Und trotz aller Zusicherungen Microsofts, dass das Produkt sicher sei (das habe es bei anderen Produkten wie Internet Information Server in der Vergangenheit ja auch behauptet), würden sich Hacker gewiss bevorzugt auf Avalance stürzen. (tc)