Snowden

Massenüberwachung für Terrorabwehr nicht notwendig

18.07.2014
Edward Snowden warnt vor den Folgen der Massenüberwachung: Alles zu speichern, schaffe einen Sicherheitsstaat. Die Datensammelei hat angeblich eine weitere Nebenwirkung. Laut Snowden tauschen Analysten abgefischte Nacktbilder untereinander aus.

Der NSA-Enthüller Edward Snowden hat in einem Interview die verbreitete Argumentation zurückgewiesen, die Geheimdienste bräuchten immer mehr Daten, um Verdächtige aufzuspüren. Geheimdienst-Vertreter sprachen wiederholt davon, dass sie die sprichwörtliche "Nadel im Heuhaufen" suchten. Dazu bräuchten sie einen größeren Heuhaufen an Daten, hieß es immer wieder zur Verteidigung der Spähprogramme.

Whistleblower Edward Snowden
Whistleblower Edward Snowden
Foto: YouTube / Guardian

Im Gespräch mit der britischen Zeitung "Guardian" widersprach Snowden dieser Argumentation entschieden. "Das ist ein Heuhaufen menschlicher Leben", sagte er. "Das sind all die privaten Informationen über die intimsten Handlungen unseres Lebens, die gesammelt und gespeichert werden." Schon der Begriff des Heuhaufens sei missverständlich, sagte er den "Guardian"-Journalisten, die ihn am 10. Juli in Moskau getroffen hatten. Dort hat der 31-Jährige Asyl erhalten.

Snowden warnte vor dem Preis der Überwachung. Es sei durchaus möglich, dass durch das Abfangen, Speichern und Durchsuchen von Unmengen digitaler Informationen über die Menschen Terror-Pläne aufgedeckt oder Kriminelle gefasst werden könnten. "Aber ist das die Gesellschaft, in der wir leben wollen? Das ist die Definition eines Sicherheitsstaats."

Er berichtete vom Missbrauch der Informationen bei den Geheimdiensten. Analysten tauschten demnach zufällig abgefangene Nacktbilder untereinander aus. "Das kommt routinemäßig vor, je nachdem, mit wem man sich abgibt", sagte der 31-Jährige. Vorgesetzte erführen nichts davon. (dpa/tc)