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Marconi schockiert die Finanzwelt

05.07.2001
Der vor allem als TK- und Mobilfunkausrüster bekannte britische Mischkonzern Marconi erwartet für das laufende Geschäftsjahr eine Halbierung des operativen Gewinns und entlässt weitere 4000 Mitarbeiter.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Einen rabenschwarzen Tag hatte gestern der britische Mischkonzern Marconi erwischt: Das Unternehmen kündigte für das laufende Geschäftsjahr eine Halbierung des operativen Gewinns und einen Umsatzeinbruch um 15 Prozent an. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte Marconi auf Basis von umgerechnet 11,6 Milliarden Euro einen operativen Gewinn von 1,35 Milliarden Euro ausgewiesen. Ferner baut der Konzern weitere 4000 Stellen ab, davon 1000 im Management. Erst vor drei Monaten hatte Marconi die Entlassung von 3000 Mitarbeitern bekannt gegeben. Der Handel mit Marconi-Aktien wurde gestern an der Londoner Börse ausgesetzt.

Eine halbwegs erfreuliche Nachricht gab es dennoch: Ihre Medizintechnik-Sparte verkaufen die Briten für 1,3 Milliarden Euro in Cash an die niederländische Royal Philips Electronics. Experten hatten allerdings erwartet, Marconi würde aus dem Verkauf wenigstens zwei Milliarden Euro erlösen. Credit Suisse First Boston hatte den Bereich unlängst mit knapp 1,5 Milliarden Euro bewertet. Wie auch immer, Marconi kann das Geld zum Abbau seiner Schuldenlast von rund 5,4 Milliarden Euro mehr als gut gebrauchen. Philips wird - zusammen mit der Übernahme der Medizinsparte des HP-Ablegers Agilent - möglicherweise hinter General Electric zum zweitgrößten Anbieter in diesem Bereich weltweit und würde damit Siemens (das ebenfalls ordentlich zugekauft hat) auf Platz drei verdrängen.

Marconi beschäftigt in 19 Ländern weltweit rund 50.000 Mitarbeiter. Der Konzern besteht aus drei Hauptsparten: Marconi Communications (Glasfaser- und Breitbandtechnik, UMTS), Marconi Systems (Mobilkommunikation, bisher Medizintechnik) sowie Marconi Capital (Investment).