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Mannesmann-Prozess: Ex-Vodafone-Chef entlastet Esser

26.03.2004

Der frühere Vodafone-Chef Sir Christopher Gent hat vor dem Düsseldorfer Landgericht den Vorwurf der Untreue gegenüber den ehemaligen Mannesmann-Chef Klaus Esser entschieden zurückgewiesen. Presseberichten zufolge erklärte Kent, Esser habe im Übernahmepoker kein einziges Mal eine Entschädigung oder Prämie für sich selbst verlangt. Es täte ihm leid, dass der Topmanager nun Gegenstand von ungerechtfertigten Verdächtigungen und unfairer Kritik geworden sei. Esser habe durch sein Verhandlungsgeschick den Wert der Mannesmann-Aktie und damit Profit der Anleger immens gesteigert.

Gleichzeitig widersprach Gent jedoch in einigen Punkten der Darstellung des Ex-Mannesmann-Chefs: Dieser habe bei der Übernahmeschlacht zwar in erster Linie für sein Unternehmen gekämpft, in zweiter Linie aber auch um die eigene Karriere. So habe Esser zwar zunächst auf einen ihm angebotenen Top-Job im vereinten Unternehmen verzichtet. Dabei habe es sich aber um eine einfaches Vorstandsmandat gehandelt, so Gent, nicht – wie von Esser im Prozessverlauf geäußert, um den Job des Vorstandsvorsitzenden.

Später, als die Mannesmann-Niederlage absehbar gewesen sei, habe Esser allerdings wegen des Angebots nachgefragt. Dies hatte Esser im Prozess bislang stets bestritten. Wegen der nunmehr fehlenden Vertrauensbasis habe er dem Manager aber einen solchen Posten nicht mehr anbieten können, erinnert sich Gent.

Essers Abfindung von knapp 30 Millionen Euro bezeichnete Gent als durchaus angemessen. Man hätte die Leistung des Managers honorieren müsse, und Esser habe weder Aktien noch Optionsscheine von Mannesmann besessen. Bei der Höhe der Mannesmann-Prämien habe man sich an internationalen und nicht an deutschen Gepflogenheiten orientiert. Bei der Übernahme des US-Mobilfunkbetreibers AirTouch habe Vodafone den Vorstandsvorsitzenden mit 250 Millionen Pfund abgefunden.

Die Staatsanwaltschaft wirft Esser und fünf weiteren Managern und Aufsichtsräten der Mannesmann AG vor, sie hätte bei der Übernahme des Konzerns durch Vodafone im Jahr 2000 gegen die Interessen der Gesellschaft Abfindungen und Boni in Höhe von 111,5 Millionen Mark (57 Millionen Euro) an Vorstände und Pensionäre gewährt. Aus Sicht der Anklage handelte es sich dabei um Untreue in einem besonders schweren Fall sowie um Beihilfe zu diesem Delikt. Die Zahlungen seien unnötig gewesen, da sie lediglich das Ziel hatten, die Empfänger zu bereichern. Gleichzeitig habe der Aufsichtsrat seine Aufgabe verletzt, die Interessen der Mannesmann-Aktionäre zu schützen. (mb)