Service-orientierte Architekturen

Mangelnde Governance gefährdet SOA-Projekte

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Ohne ausreichende Investitionen in Governance-Strukturen bleibt der langfristige Nutzen einer Service-orientierten Architektur ein Wunschtraum, warnt das britische Analystenhaus Butler Group.

"Die meisten Organisationen kümmern sich beim Aufbau einer SOA zu spät um eine effektive Governance", erläutert Rob Hailstone, Software Infrastructure Director bei der Butler Group. Je länger Unternehmen damit warteten, desto schwieriger werde es, wirksame Mechanismen in einer bereits aktiven SOA-Umgebung zu etablieren. Hailstone: "Trotzdem muss dieser Schritt getan werden, sonst endet die SOA-Initiative im Chaos."

Obwohl Projektverantwortliche auf technische Unterstützung angewiesen seien, drehe sich das Governance-Problem primär um organisatorische Fragen, erklärt der Analyst zur gestern vorgestellten Studie "SOA Governance". Unternehmen müssten sicherstellen, geeignete Mitarbeiter mit den nötigen Kompetenzen auszustatten. Nur so ließen sich architektonische Vorgaben und betriebswirtschaftliche Ziele in Einklang bringen. Die meisten Beschreibungen von SOA-Governance konzentrierten sich auf technisch orientierte Runtime-Umgebungen, moniert Hailstone. Diese aber repräsentierten nur einen kleinen Teil der übergreifenden Governance-Bemühungen. Idealerweise sollten Unternehmen bereits zu Beginn einer SOA-Initiative auch über die notwendigen Governance-Strukturen nachdenken und diese frühzeitig einziehen (siehe auch: Anwender vernachlässigen SOA-Governance).

Dessen ungeachtet verspreche das SOA-Konzept eine ganze Reihe potenzieller Vorteile, so der Bericht. Organisationen könnten damit den Wert ihrer IT-Investitionen steigern. Die Analysten nennen in diesem Kontext unter anderem mehr Flexibilität, eine verbesserte Nutzung von IT-Ressourcen und niedrigere Integrationskosten. In der Studie beleuchten die T-Experten vier grundlegende Phasen beim Aufbau einer Service-orientierten Architektur: Planung, Design und Entwicklung, Runtime sowie Change Lifecycle. Einer ausschließlich von der IT getriebenen SOA-Initiative geben die Autoren auf lange Sicht nur wenig Erfolgschancen. Hinzu komme müsse die Bereitschaft des Unternehmens, insgesamt flexibler zu werden. Im Rahmen des Change-Prozesses gehe es auch darum, das eigene Organisationsmodell auf den Prüfstand zu stellen.

Mehr zum Thema SOA-Implementierung und SOA-Governance finden Sie im Experten-Blog SOA meets BPM.