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Keine Perspektive

Lycos Europe will sich auflösen

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
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Der defizitäre Internet-Dienstleister Lycos Europe hat das Ergebnis seiner strategischen Prüfung mitgeteilt. Es dürfte 500 Mitarbeiter den Job kosten.

Nachdem trotz Bemühungen zur Kostensenkung für die ersten neuen Monate 2008 ein EBITDA-Verlust von knapp 20 Millionen Euro aufgelaufen war, hatten Management und Aufsichtsrat von Lycos Europe "eine strategische Prüfung mit dem Ziel durchgeführt zu entscheiden, welches der beste Weg vorwärts für die Gesellschaft und ihre Aktionäre sei". Als Teil dieser Prüfung wurden einer Ad-hoc-Meldung zufolge "Möglichkeiten eines Wechsels der Anteilseignerbasis oder Anteilseignerstruktur geprüft sowie Möglichkeiten für den Verkauf des Geschäfts als Ganzes, sowie der separate Verkauf einzelner Geschäftsbereiche oder Vermögenswerte, Restrukturierung und Teilliquidation des Geschäfts".

Dabei ist Lycos Europe nun zu dem Schluss gekommen, "dass die beste zur Verfügung stehende Option für die Gesellschaft (i) der Verkauf der Geschäftsbereiche Domain, Shopping und der dänischen Portalaktivitäten sowie (ii) eine Beendigung der Portal- und Webhostingaktivitäten ist". Außerdem sollen noch vor Ende des Geschäftsjahre 50 Millionen Euro in bar an die Aktionäre - gut zwölf Prozent gehören dem Bertelsmann-Erben und Lycos-Europe-CEO Christoph Mohn, weitere 20 Prozent zusammen der Bertelsmann Internet Holding, der Fireball Internet GmbH sowie der Jahr Vermögensverwaltung - ausgeschüttet werden.

500 Mitarbeiter betroffen

Die heute beschlossenen Maßnahmen werden nach Angaben des Unternehmens "zwangsläufig dazu führen, dass der wesentliche Teil der rund 700 Mitarbeiter seinen bisherigen Arbeitsplatz verliert". In den Geschäftsfeldern, die nach der Empfehlung von Vorstand und Aufsichtsrat geschlossen werden sollen (Webhosting und Portal inklusive Sales), sind insgesamt rund 500 Mitarbeiter beschäftigt, davon rund 230 bei der deutschen Tochtergesellschaft Lycos Europe GmbH mit Sitz in Gütersloh.

CEO Christoph Mohn
CEO Christoph Mohn

"Das Management bedauert diese schmerzliche Entscheidung sehr, da das Lycos-Team hochqualifiziert, motiviert und engagiert ist", wird Firmenchef Mohn zitiert. Lycos Europe wolle die Mitarbeiter bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz aktiv unterstützen. "Obwohl Lycos Europe - gemessen an der Reichweite - zwischenzeitlich größtes europäisches Internet-Portal war, ist es uns nicht gelungen, unsere Geschäftsmodelle in steigendem Maße zu monetarisieren", so Mohn weiter. Das Scheitern sei besonders bitter, weil "von den Konsequenzen sowohl Mitarbeiter als auch Aktionäre negativ betroffen sind".

Die angekündigte Restrukturierung steht allerdings noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung einer außerordentlichen Hauptversammlung, die am 12. Dezember in Amsterdam stattfindet.