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Linuxworld: Ransom Love und wie er die Welt sieht

17.08.2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nach dem erklärten Kapitalisten Michael Dell (Computerwoche.de berichtete) erklomm gestern Ransom Love, Chief Executive Officer von Caldera, das Keynote-Podium der Linuxworld Conference & Expo im kalifornischen San Jose, um der versammelten Linux-Gemeinde ein wenig Realität aufzutischen. Das quelloffene Unix bedürfe noch einiger Veränderungen, bevor es die Kluft zwischen bloßer Popularität und echter Marktakzeptanz überwinden könne, erklärte Love.

Es müssten Linux-Varianten entwickelt werden, die die ganze Bandbreite gegenwärtiger Hardware - vom Smart Phone bis hoch zum Unternehmens-Server - unterstützten. "Das ist nicht viel anders als das, was Microsoft macht", so Love. Ziemlich starker Tobak auf einer Veranstaltung, deren Teilnehmer T-Shirts mit der Aufschrift "Open Source - it´s like the difference between trust and antitrust" [Open Source - der Unterschied zwischen Vertrauen und Monopol] tragen.

Allerdings, so Loves Überzeugung, "können wir das mit Linux und Unix besser". Schon heute sei Linux im Embedded- und Server-Bereich sehr gut - vor allem bei spezialisierten Servern für bestimmte Geschäftsfunktionen. Ein Manko sei aber die mangelnde Skalierbarkeit auf großen Systemen. "Wir brauchen möglicherweise einen weiteren Kernel - so wie das andere Betriebssystem-Anbieter auch machen", empfahl der Caldera-Chef.

Außerdem müsse Linux "globaler" werden, das heißt Entwicklern und Kunden überall auf der Welt eine konsistente Plattform bieten. Große Hard- und Softwareanbieter steckten kaum Millionen in neue Produkte, wenn sie sich mit regionalen Linux-Unterschieden herumschlagen müssten, glaubt Love. Auf der anderen Seite suchten multinationale Unternehmen nach einem einzigen Linux-Distributor, der ihnen überall auf der Welt seine Unterstützung bieten könne. Und - welch Überraschung - Caldera sei ein solcher One-Stop-Shopping-Anbieter.

Größter Hemmschuh für eine weitere Verbreitung von Linux sei, so Love, nicht etwa der Mangel an verfügbaren Anwendungen, sondern vielmehr das Fehlen entsprechender Experten, die das quelloffene Unix einrichten und verwalten könnten.

Danach ging es noch um die heikle Frage der Lizenzierung von Produkten, mit der Caldera speziell nach der Übernahme von SCOs "Unixware" zu kämpfen hat. Dieses enthält zahlreiche urheberrechtlich geschützte Komponenten und kann deshalb schwerlich unter einer klassischen Open-Source-Lizenz wie der GNU "General Public License" (GPL) vertrieben werden. Auch künftig will Caldera laut Ransom Love Produkte entwickeln, die nicht jedermann nach seinem Gutdünken verändern darf - selbst wenn, so versprach der Caldera-Chef, man stets Einblick in den Quellcode gewähren werde. "Wenn wir die Rechte an einige Dingen behalten, stellen wir die Qualität sicher. Die Technik entwickelt sich weiter, und wir werden der Allgemeinheit das überantworten, was aus technischer Sicht und aus Business-Sicht Sinn macht", erklärte Love, bevor er zu guter Letzt noch Calderas neues System-Management-Tool "Cosmos" (Computerwoche.de

berichtete) präsentierte - wohl auch eher ein Produkt zum Geldverdiene denn für die Open-Source-Gemeinde.