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Das Anti-Facebook

LinkedIn begeistert Anleger

03.08.2012
Der Börsengang des beruflichen Online-Netzwerks LinkedIn galt vor einem Jahr nur als eine Art Generalprobe für Facebook. Doch inzwischen macht die LinkedIn-Aktie den Investoren deutlich mehr Freude.
Hat angesichts der Quartalszahlen gut lachen: LinkedIn-Gründer Reid Hoffman
Hat angesichts der Quartalszahlen gut lachen: LinkedIn-Gründer Reid Hoffman
Foto: Joi Ito via flickr

Während Facebook Verluste schreibt und langsamer wächst, zieht das weltgrößte berufliche Online-Netzwerk LinkedIn davon - wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau. Im zweiten Quartal verdoppelte sich der Umsatz nahezu auf 228 Millionen Dollar (187 Millionen Euro). Der Gewinn fiel allerdings um 39 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 2,8 Millionen Dollar, wie LinkedIn am Donnerstag mitteilte. Das lag unter anderem an Aktien, die Mitarbeiter bekommen haben.

Diesen Schönheitsfehler verziehen die Anleger dem Unternehmen jedoch. Insgesamt schnitt LinkedIn besser ab, als Analysten erwartet hatten. Nachbörslich schoss die Aktie um mehr als sieben Prozent auf gut 100 Dollar hoch. Beim Börsengang vor gut einem Jahr hatte LinkedIn die Papiere zu 45 Dollar das Stück ausgegeben. Schon am ersten Tag war die Aktie durch die Decke gegangen.

Was für ein Unterschied zu Facebook: Die im Mai zu 38 Dollar ausgegebenen Aktien des weltgrößten Online-Netzwerks fielen am Donnerstag zeitweise erstmals unter 20 Dollar. Am Ende des Tages gingen sie mit 20,04 Dollar aus dem Handel, ein Verlust von vier Prozent im Vergleich zum Vortrag. Das bedeutet: Ein Anleger der ersten Stunde hat inzwischen fast die Hälfte seines Einsatzes verloren.

LinkedIn hat 175 Millionen Nutzer weltweit, die hier ihre beruflichen Kontakte pflegen. Bei Facebook sind es 955 Millionen Nutzer, die Kontakt zu ihren Freunden und Bekannten halten. Während Facebook sein Geld vor allem mit Werbeanzeigen und Onlinespielen verdient, ist LinkedIn breiter aufgestellt mit Stellananzeigen, Werbung, Premiummitgliedschaften und Diensten für Personalabteilungen von Unternehmen. Einer der größten Konkurrenten ist das deutsche Netzwerk Xing.

LinkedIn ist vom Geschäft zwar wesentlich kleiner als Facebook, das allein im vergangenen Quartal 1,2 Milliarden Dollar Umsatz verbuchte. Allerdings waren auch Erwartungen und Börsenbewertung bei LinkedIn nie so hoch angesetzt.

Den Ausschlag für das schnelle Wachstum bei LinkedIn gab im vergangenen Quartal das Geschäft mit Personaldienstleistungen, das sich mit 121,6 Millionen Dollar im Jahresvergleich mehr als verdoppelt hat. Bei den Einnahmen aus Premium-Accounts gab es einen Sprung von gut 80 Prozent auf 43,5 Millionen Dollar.

Das Netzwerk war vor kurzem Opfer eines Hacker-Angriffs geworden, bei dem Passwörter im Internet landeten. Nach Medienberichten könnten rund 6,5 Millionen Accounts betroffen gewesen sein. Im vergangenen Quartal habe die Aufklärung des Vorfalls bis zu einer Million Dollar gekostet, sagte Finanzchef Steve Sordello. Im laufenden Vierteljahr sollen zwei bis drei Millionen Dollar für zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ausgegeben werden. (dpa/tc)