SAP

Leo Apotheker verspricht hybride Business-Software

Vice President Software & SaaS Markets PAC Germany
Der Softwarekonzern SAP will in den nächsten Jahren sein gesamtes Softwareangebot so umgestalten, dass Kunden in der Lage sind, Programme entweder im eigenen Hause (On-Premise) zu installieren oder als Mietlösung zu nutzen (On-Demand).

Auf der CeBIT kündigte Leo Apotheker, Co-CEO von SAP, an, künftig solle es dem Kunden überlassen sein, wie er Business-Software nutzt. Bisher verkauft SAP Programme, die Anwender auf eigenen Servern installieren und betreiben. Daneben bietet der Hersteller vereinzelte On-Demand-Produkte an, die in einem Rechenzentrum laufen und über das Internet genutzt werden. Dazu zählt etwa eine Software für das Kundenbeziehungs-Management (Customer-Relationship-Management, kurz CRM).

SAP hat vor, Applikationen so umzugestalten, dass sie entweder On-Premise oder On-Demand genutzt werden können. "Geschäftskritische Applikationen betreiben Firmen im eigenen Hause, weniger kritische im On-Demand", so Apotheker. "Wir wollen den Anwendern aber nicht vorschreiben, was für ihn geschäftskritische Funktionen sind und bieten ihnen daher künftig diese Wahlmöglichkeit an." Apotheker spricht hier von hybrider Software, weil Firmen in der Lage sein sollen, manche Komponenten einer Applikation On-Premise und andere On-Demand zu verwenden. Am Beispiel einer Personal-Management-Software würde ein Unternehmen die Personalstammdaten auf hauseigenen Servern verwalten, während beispielsweise eine damit verbundene Online-Bewerbungsplattform zur Miete benutzt wird. Ein bereits verfügbares Hybridprodukt ist SAPs Lösung "CRM On-Demand". Es setzt auf der gleichen Technik auf wie die On-Premise-Software "SAP CRM".

Apotheker sagte jedoch einschränkend, der Hybridansatz bedeute nicht automatisch, dass für die On-Demand- und On-Premise-Variante eines Produkts jeweils die gleiche Codebasis verwendet wird. Details und hoffentlich mehr Klarheit zu der künftigen Strategie will SAP auf der kommenden Fachkonferenz "Sapphire" erläutern.

Wir geben Business ByDesign die Zeit, die es braucht, so SAP-Vorstandssprecher Leo Apotheker.
Wir geben Business ByDesign die Zeit, die es braucht, so SAP-Vorstandssprecher Leo Apotheker.
Foto: SAP

SAP bemüht sich bereits seit einiger Zeit, im Geschäft mit Mietlösungen Fuss zu fassen. Mit "Business ByDesign" will der Konzern ein für den Mittelstand gedachte Software-as-a-Services-Produkt auf den Markt bringen. Hier kämpft SAP aber mit Schwierigkeiten. Apotheker wollte sich nicht auf einen konkreten Verfügbarkeitstermin festlegen lassen. "Wir haben noch Arbeit vor uns und müssen an dem Produkt und an dem Geschäftsmodell schleifen", so der Manager. "Das On-Demand-System muss perfekt sein und darum nehmen wir uns die Zeit, die wir brauchen", erläutert Apotheker. SAP müsse am Vermarktungsmodell arbeiten und die Betriebskosten der Mietapplikation verringern, damit der wirtschaftliche Erfolg garantiert ist und eine vom Management geforderte Marge abwirft. "Wäre Business ByDesign ein klassisches Softwareprodukt, hätten wir es schon längst auf den Markt gebracht." Wie lange SAP dem Mietprodukt noch Zeit gibt, dazu wollte sich Apotheker indes nicht äußern.

Auf dem Markt für Mietsoftware steht SAP unter anderem mit dem kalifornischen Unternehmen Salesforce.com in Wettbewerb. Die Firma vermietet CRM-Software, für die der Kunde keine Lizenz erwirbt, sondern eine Mietgebühr pro Nutzer und Monat entrichtet.

Auch andere Softwarehäuser sind im On-Demand-Geschäft aktiv oder verstärken ihre Aktivitäten. Beispielsweise verfolgt SAP-Konkurrent Oracle die Strategie, CRM-Lösungen sowohl zu verkaufen als auch zu vermieten. Die Technik stammt von der übernommenen Softwarefirma Siebel. Ferner kündigte Microsoft an, neben dem klassischen Softwaregeschäft Mietangebote aufzulegen. Daneben gibt es zahlreiche andere Softwarehäuser, die auf der CeBIT Mietprodukte vorgestellt haben. Dazu zählt die Firma CSS, die eine On-Demand-Fassung der Rechnungswesen- und Controlling-Software "e-Gecko" nun auch gegen Mietgebühr anbietet. Die CAS Software AG präsentierte eine erweiterte Fassung der Miet-CRM-Applikation "CAS PIA".