Übernahmeangebot

Lenovo baut mit Medion-Kauf seine Westeuropa-Präsenz aus

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Lenovo will seine Marktposition in Westeuropa stärken und zu diesem Zweck die Essener Medion AG übernehmen.

Der chinesische PC-Bauer hat ein öffentliches Übernahmeangebot für alle ausstehenden Medion-Aktien angekündigt und bietet 13 Euro pro Anteilschein in bar. Das entspricht einem Aufgeld von 29 Prozent auf den durchschnittlichen Schlusskurs der letzten 30 Kalendertage.

Das neue Highend-ThinkPad "X1" von Lenovo
Das neue Highend-ThinkPad "X1" von Lenovo
Foto: Lenovo

Medion bietet neben PCs Multimedia-Geräte, Mobilfunk-Services und Consumer Electronics an und ist vor allem als Lieferant großer Discount-Handelsketten bekannt. Lenovo würde mit der Übernahme seinen PC-Marktanteil in Deutschland auf 14 Prozent und in Westeuropa auf rund 7,5 Prozent steigern. Die Chinesen versprechen sich von dem Zukauf ferner eine Stärkung ihrer Stellung im Consumer-PC-Markt - bislang sind hierzulande vor allem Business-Produkte wie die "ThinkPad"-Notebooks sowie PCs für KMU populär - sowie im Wachstumsmarkt mobiles Internet.

"Das ergänzt sowohl Lenovos PC-Kerngschäft wie auch neues Businesses, die zentral für unsere Entwickung sind", kommentiert Lenovo-Chef Yang Yuangqing. "Mit seinen Stärken im Endkundenvertrieb, Marketing, Services und Handel passt das Geschäft von Medion perfekt zu unserer Consumer-Wachstumsstrategie in Westeuropa." Die Kombination aus Medions "Front End" mit Lenovos Fertigungskapazität und Supply Chain im Hintergrund werde beide Unternehmen noch erfolgreicher und wettbewerbsfähiger machen. Und natürlich wollen Lenovo und Medion gemeinsam von Skalen- und Synergieeffekten bei Einkauf, globaler Lieferkette, Softwareentwicklung, Distributionskanälen und Innovation des Geschäftsmodells profitieren.

Wenn die Übernahme zustande kommt, sollen beide Firmen laut Lenovo ihr bestehendes Geschäft (inklusive Kundedienst, Produktauslieferung und Garantieerfüllung) wie gehabt weiterführen. Zunächst sollen auch beide Marken bestehen bleiben und Sales und Support über die bestehenden Kanäle weiterlaufen.

R&D-Campus von Lenovo in Peking
R&D-Campus von Lenovo in Peking
Foto: Corymgrenier /Wikimedia Commons

Der Medion-Gründer und CEO Gerd Brachmann beteiligt sich übrigens nicht an dem öffentlichen Übernahmeangebot, verkauft aber separat 40 Prozent der Medion-Anteile für ebenfalls je 13 Euro an Lenovo. 80 Prozent des Kaufpreises erhält Brachmann in bar und die restlichen 20 Prozent in Lenovo-Aktien. Weitere 20 Prozent der Medion-Aktien behält Brachmann. "Ich bin stolz, ein großer privater Investor der weltweit am schnellsten wachsenden PC-Company zu werden, erklärte Brachmann. "Die Ankündigung stärkt die Wettbewerbsposition der Medion AG und erhält gleichzeitig die Stabilität, Flexibilität und vorhandene Firmenstruktur in Essen."

Das öffentliche Übernahmeangebot steht unter der Bedingung, dass mindestens 15 Prozent der nicht Brachmann gehörenden Medion-Aktien zugesagt werden. Die Aufsichtsräte beider Unternehmen haben den Deal bereits genehmigt. Vorbehaltlich verschiedener aufschiebender Bedingungen soll das Übernahmeangebot im dritten Quartal 2011 abgeschlossen werden.