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Legacy-System sorgt für Chaos bei der US-Armee

26.08.2004

Ein altes, auf Cobol basierendes Mainframe-System sorgt bei der US Army für Chaos bei der Abwicklung der Gehalts- und Ruhestandszahlungen. Das System mit dem meilenlangen Namen Defense Joint Military Pay System-Reserve Component (DJMS-RC) kann nicht mehr mit PC-Applikationen kommunizieren, die bei der US-Armee im Einsatz sind. Es nutzt veraltete Software, ist nach Armeeangaben störanfällig, klobig und sehr komplex. Ergebnis: Bei der Zahlung der Gehälter für Militärangehörige wie für Reservisten kommt es zu chaotischen Verhältnissen. Teilweise erhalten Soldaten zu viel überweisen, teilweise zu wenig. Wegen der unhandlichen Bedienerführung müssen viele Probleme händisch bereinigt werden. Ein modernes System auf Basis von Peoplesofts Enterprise-Applikationen wird frühestens im kommenden Frühjahr einsatzbereit sein.

Durch den Irak-Krieg haben sich die Probleme mit DJMS_RC weiter verschärft, heißt es in einer Mitteilung des US Government Accountability Office (GAO). Der oberste US-amerikanische Rechnungshof hatte eine Befragung unter US-Reservisten durchgeführt, welche Erfahrungen sie mit dem System gemacht hatten. 95 Prozent der befragten 348 Personen bezeugten, dass sie mindestens einmal Probleme mit dem DJMS-RC-Rechner hatten. Hierzu zählten falsch berechnete Auszahlungen genauso wie verspätete Überweisungen. Teilweise dauerte es bis zu einem Jahr, bis definierte Fehler im System behoben werden konnten.

In einem Fall hatte ein Soldat 24.000 Dollar zu viel gezahlt bekommen, zitiert das GAO. Grund hierfür war, dass das System den Widerrufung des Mobilisierungsstatus des betroffenen Reservisten nicht korrekt verarbeitete.

Weiter hat das Mainframe-System Probleme, Härtefallklauseln in das Lohnbuchsystem einzuarbeiten. Solche Ausnahmen müssen händisch in das System eingegeben werden.

Die Militärbehörde Defense Finance and Accounting Service (DFAS), die für das DJMS-RC-System verantwortlich zeichnet, hat konzediert, dass der Großrechner "veraltet, schwierig in der Handhabung und störanfällig" sei, berichtet der Rechnungshof weiter. Die funktionalen Grenzen des Mainframes seien nun durch den Irakkrieg noch deutlicher ans Tageslicht gekommen. Bislang habe der Großrechner nämlich vor allem Gehaltsberechnungen anstellen müssen für Soldaten, die zu Militärübungen mobilisiert wurden. Jetzt aber müsse es für Abertausende Soldaten im Kriegseinsatz ständig die Gehaltsbezüge berechnen und dies auf unabsehbare Zeit und jeweils für 12- bis 18-monatige Einsätze.

Das neue Personalwesen- und Gehaltssystem auf Basis von Peoplesofts Enterprise-Applikationen wird allerdings erst frühestens kommendes Frühjahr einsatzbereit sein. Ursprünglich hatte die Armee es schon für August 2001 angekündigt. Aber die Arbeiten und die Implementierung für dieses System haben sich über die Jahre nur langsam entwickelt. (jm)