Ladar Levison

Lavabit-Gründer zur Schließung "verpflichtet"

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Die "New York Times" hatte gestern Gelegenheit, mit Lavabit-Gründer Ladar Levison am Telefon zu sprechen.

So gut das mit dem Maulkorberlass ("gag order") möglich war, den wer auch immer gegen Levison verhängt hat. Der mittlerweile 32-jährige Texaner hatte seinen Service - einen E-Mail-Dienst für technisch versierte Nutzer, die Wert auf Datenschutz legen - im Alter von 19 Jahren gegründet, nachdem der US-Kongress traumatisiert durch Nine-Eleven den Patriot Act verabschiedet hatte.

Am vergangenen Donnerstag schaltete Levison sein Lavabit dann ab. Dabei hinterließ er lediglich einen mehr oder weniger kryptischen Hinweis auf der Lavabit-Homepage. Darin stand, er wolle sich nicht "mitschuldig machen an Verbrechen gegen das amerikanische Volk". Außerdem deutete der Lavabit-Betreiber eine Nachforschung der US-Regierung an, die er für verfassungswidrig halte und gegen die er bei einem Berufungsgericht vorgehen wolle.

Seit vergangenem Donnerstag sehen Lavabit-Nutzer nur noch Ladar Levisons kryptische Abschiedsnachricht.
Seit vergangenem Donnerstag sehen Lavabit-Nutzer nur noch Ladar Levisons kryptische Abschiedsnachricht.

Vorangegangen waren sechs Wochen geheime juristische Auseinandersetzung. "Ich wollte vornehmlich Menschen die Möglichkeit geben, privat zu kommunizieren", sagte Levison der "New York Times". "Als nicht das nicht länger konnte, fühlte ich mich verpflichtet, den Dienst zu schließen."

Nach Angaben von Levisons Anwalt Jesse Binnall hat Lavabit in den fast zehn Jahren seines Betriebs in mindestens zwei Dutzend Fällen "eng begrenzten" Gerichtsbeschlüssen aus Herausgabe von Nutzerinformationen entsprochen. Levison ergänzte: "Ich wehre mich gegen Blanko-Gerichtsbeschlüsse, die der Regierung Zugriff auf alles garantieren."

Nach Levisons Ankündigung vergangene Woche hatte bereits eine zweite Firma, Silent Circle aus Maryland, ihren sicheren E-Mail-Dienst eingestellt und alle Daten von ihren Servern gelöscht. Lavabit dagegen hat die (verschlüsselten) E-Mails noch auf seinen Servern liegen. Warum oder ob ihm eine behördliche Anordnung das vorschreibe dürfe er nicht sagen, so Levison. "Ich darf darüber nicht sprechen", zitiert ihn die "NYT". "Das ist frustrierend. Ich weiß bis heute nicht, ob man mich verhaften wird."

Auch Anwalt Binnall wollte nicht sagen, ob er schon eine Anfechtungsklage eingereicht hat und beschränkte sich auf die Aussage, man "beabsichtige die Verfassungsmäßigkeit der E-Mail-Schnüffelei durch die Regierung rechtlich prüfen" zu lassen.

Ladar Levison konnte nach Angaben der Zeitung von Lavabit leben. Gegen eine monatliche Gebühr konnten Nutzer - zu denen auch der Whistleblower Edward Snowden gehörte - den Dienst werbefrei bekommen. "Ich habe mir zwar keine italienischen Sportwagen gekauft, aber für die Miete und Pizza reichte es", sagt der Lavabit-Gründer.

Nun musste er schon einmal die Eltern um Geld anpumpen. Für seine juristische Verteidigung (die kann in den USA sehr teuer werden) hat Ladar Levison immerhin schon 90.000 Dollar zusammenbekommen. Allerdings fürchtet er "ein langwieriges Verfahren". Als nächstes will sich der Lavabit-Gründer aber einen neuen Job suchen. Allerdings keinen mehr im High-Tech-Umfeld: "In so eine Lage will ich nicht wieder geraten." Sondern eher so etwas wie ein Restaurant oder eine Bar, "wo ich nicht mit dem FBI zu tun bekomme", sagt er. Und fügt rasch ein "Rein hypothetisch" hinzu. Die Nachfrage der "New York Times", ob er das denn in den vergangenen Wochen gehabt habe, wollte Levison nicht kommentieren.

Gegenüber "Forbes" hatte Levison schon in der vergangenen Woche gesagt: "Ich nehme eine Auszeit von E-Mail. Wenn Sie über E-Mail wüssten, was ich weiß, würden Sie es vielleicht auch nicht mehr benutzen."