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Kunden immer unzufriedener mit Strato

26.01.2000
Absprung von Xlink geplant?

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Zum Jahreswechsel hatten sich beim Discount-Hoster Strato die technischen und administrativen Probleme dramatisch gehäuft. Zwar gab der Vorstand vor zwei Wochen Entwarnung, doch Anwender klagen nach wie vor über Schwierigkeiten. Außerdem gibt es Anzeichen dafür, dass Strato seinen Provider wechseln will.

Bei der Tochterfirma Strato sei alles in bester Ordnung, nur ein Prozent der Kunden sei unzufrieden, ließ der Vorstandsvorsitzende der Konzernmutter Teles AG, Sigram Schindler, kürzlich verlauten. Die Pannenserie kurz vor Jahreswechsel sollte damit zu Ende sein. Doch nach wie vor müssen die Kunden mit Einschränkungen leben. Schon seit längerem bleiben den Strato-Web-Kunden wichtige Statistikfunktionen sowie der Zugriff auf Logfiles verwehrt. Somit müssen Site-Betreiber auf die vor allem für Profis unverzichtbare Auswertung von Web-Zugriffen verzichten. Konzernchef Schindler hatte versprochen, dass allen Kunden bis zum 22. Januar die Logfiles bereitgestellt würden.

Nachdem die Frist ohne Ergebnis verstrichen war, gab Schindler im Online-Forum der "Interessengemeinschaft der Strato-Kunden" eine Stellungnahme ab, in der er erneut schwere Vorwürfe gegen den Provider Xlink vorbrachte: "Mit Entsetzen müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass Xlink weiterhin feste Zusagen nicht einzuhalten scheint. Es gelingt uns derzeit nicht, einen Kontakt mit den Verantwortlichen bei Xlink herzustellen - die dort erreichbaren Techniker wissen von nichts." Seit Wochen bereits hat man sich auf Xlink eingeschossen, Schindler lässt keine Gelegenheit aus, um den Provider als Hauptschuldigen in der Strato-Pannenserie darzustellen. Tatsächlich spielt Xlink für Strato eine große Rolle, nahezu die gesamte Abwicklung der Domain-Registrierungen bei der Denic sowie des Web-Hostings liegt in den Händen der Karlsruher. Strato selbst verfügt praktisch über keine technische Infrastruktur.

Schindler hatte mehrmals betont, dass er sich bei der holländischen Xlink-Muttergesellschaft KPN Qwest über das Management der Karlsruher beschwert habe, er verhandle nur noch mit KPN Qwest. Bei Xlink reagierte man bisher gelassen auf die Giftpfeile aus Berlin. Amsterdam und Karlsruhe ließen sich nicht auseinanderdividieren, da es sich bei KPN Qwest und Xlink um ein und dieselbe Firma handle, betont Xlink-Sprecher Huys. Weder Xlink noch KPN Quest wollten die Vorwürfe allerdings kommentieren, nach Ansicht von Huys handelt es sich um Differenzen zwischen Geschäftspartnern, die man im Gespräch klären wolle. Wie tief die Verstimmung zwischen den beiden Unternehmen offenbar ist, zeigt eine Aussage Schindlers, wonach er personelle Veränderungen bei Xlink durchsetzen werde. Gerüchte allerdings, wonach das Ausscheiden des bisherigen Xlink-Geschäftsführers Michael Rotert Mitte Januar mit den Strato-Querelen zusammenhänge, haben sich nicht bestätigt. Nach Angaben von Branchenkennern steigt der sogar auf und nimmt in Kürze eine Führungsposition bei KPN Qwest ein.

Dass die Pannenserie keinesfalls Xlink zuzuschreiben sei, meint Bernd Bruns, Sprecher der IG-Strato-Kunden. Die Gemeinschaft vertritt eine zunehmende Zahl von unzufriedenen Website-Betreibern, die sich nun durch geschlossenes Auftreten mehr Gehör in Berlin verschaffen wollen. Sie suchen den konstruktiven Dialog mit Strato und bieten Online-Foren an, in denen Kunden ihre Erfahrungen austauschen können. Laut Bruns hakt es nach wie vor an allen Ecken und Enden - Hotlines sind nicht erreichbar, Mail- und Web-Server sind gelegentlich außer Betrieb, Mail-Anfragen werden nicht beantwortet. Die starke Personalfluktuation bei Strato schlägt sich schon längere Zeit im Service nieder. Bruns vermutet daher offiziell nicht genannte Hintergründe für die Missstimmung zwischen beiden Unternehmen. Möglicherweise verzichte Strato bewusst auf lange überfällige Investitionen, da die Verträge mit Xlink Mitte des Jahres auslaufen.

In dieses Bild würde die jüngste Teles-Neuerwerbung passen. Der kürzlich gekaufte Regensburger Hoster ABC Telemedia verfügt über all das, was Strato fehlt: Eine umfangreiche technische Infrastruktur mit Server-Farmen und einem ausgereiften Domain-Registriersystem, einem starken Standbein im Geschäftskundenbereich sowie einem dichten Netz an Wiederverkäufern für Domains und Webspace. Insider spekulieren bereits, dass die Kampagnen gegen Xlink einem einzigen Ziel dienen sollen: die Strato-Kunden auf die nächsten Server-Umzüge im Sommer vorzubereiten - mit allen dabei denkbaren Pannen...