Web

 

Knappe Bandbreite – Internet teurer?

24.08.2007
Im Internet wird es langsam eng. Gab es nach dem Hype von 1998/99 noch Riesen-Investments und Bandbreite im Überfluss, so wird in den Backbones des Internets die Bandbreite knapp.

"Derzeit ist keine vernünftige Videoadaption via Internet möglich.", mit dieser provokanten These rüttelt Uwe Nickl, Senior Vice President Europe bei Level 3 Communications, all diejenigen wach, die glauben, im Internet gebe es immer noch Bandbreite im Überfluss. Die Überkapazitäten von einst seien längst durch neue Anwendungen wie YouTube, Social Communities, Download-Plattformen für Filme und Musik sowie Online-Games aufgefressen worden.

Erschwerend kommt hinzu, dass es seit dem Platzen der Internet-Blase etliche Internet-Backbone-Betreiber Pleite gingen oder kein Kapital mehr hatten, um zu investieren. Den Ernst der Lage verdeutlichen vier Trends:

  • Die großen Backbone-Carrier überlegen derzeit, ob sie die nächste Entwicklungsstufe der Photonik überspringen, um dann 2009 gleich auf Glasfasertechnik mit 100 GBit/s zu migrieren.

  • Die großen Netzanbieter diskutieren, ob sie künftig für verschiedene Anwendungen verschiedene QoS-Klassen vermarkten. Dies könnte dazu führen, dass manches Internet-Angebot teurer wird.

  • Eine vernünftige Videoverteilung via Internet scheint derzeit nur über regionale Hosting/Caching-Zentren möglich, um die Backbones zu entlasten.

  • Ein Peering des Internet-Verkehrs findet nur noch unter Anbietern gleicher Größe statt. Damit drohen die kleineren Netzbetreiber unter die Räder zu kommen, da sie die ungünstigeren Interconnection-Punkte haben oder stärker zur Kasse gebeten werden.

In Deutschland kommt laut Nickl noch eine andere Entwicklung erschwerend hinzu: Die Kollokationsräume – hier schalten die Netzbetreiber ihre Netze zusammen und hosten teilweise Server ihrer Kunden – werden knapp. Für entsprechende Räume werden mittlerweile Preisaufschläge von 25 bis 50 Prozent verlangt. Ein Grund für die Knappheit ist unter anderem, dass zahlreiche Räume nach dem Platzen der Internet-Blase wieder zurückgebaut wurden. So beherbergt etwa die ehemalige Münchner Hopfenpost, im Zuge des Internet-Booms zum großen Kollokationshaus umgebaut, heute in den unteren Etagen Aldi, Rewe und Co.

Mittelfristig, so ist Nickl überzeugt, werden deshalb in Europa nur wenige der heute noch 92 regionalen Netzbetreiber überleben, da ihnen die notwendige Economy of Scale fehlt. (hi)