CW-Kommentar

Klassischer Fall von Doppelbelastung

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Hat die IT als Rationalisierungsinstrument ausgedient? Es sieht ganz so aus. Gartner propagiert den "Money-making CIO". Auch das Konkurrenzunternehmen Forrester fordert ausdrücklich, die IT nicht mehr zum Sparen, sondern zum Geldverdienen zu nutzen.
Karin Quack, COMPUTERWOCHE-Redakteurin
Karin Quack, COMPUTERWOCHE-Redakteurin
Foto: Joachim Wendler

Das ist es doch, was Sie immer gewollt haben, liebe CIOs: mit Hilfe neuer Techniken neues Geschäft für das Unternehmen zu ermöglichen, anstatt mit neuem Technikwein in alten Organisationsschläuchen immer wieder dasselbe zu machen - nur noch schneller und noch billiger.

Die Sache hat allerdings einen Haken: Neue Wege führen zwangsläufig auf unerforschtes Terrain. Geld ist dort zu verdienen, wohin sich der CIO und sein Team bislang eher selten verirrt haben: am fernen Ende der Wertschöpfungskette, dort wo der Endkunde sitzt, geht, joggt oder Auto fährt.

Welche Services kann die IT dem Unternehmenskunden anbieten, um ihn von der Konkurrenz wegzulocken und letztlich zum Kauf der hauseigenen Produkte zu verführen? Diese Fragen zu stellen sollte der CIO nicht mehr dem Marketing und dem Vertrieb überlassen, so fordert jetzt auch der St. Gallener Wirtschaftinformatiker Hubert Österle. Denn die IT selbst weiß schließlich am besten, was sie wem zu bieten hat.

Auch das klingt für Sie gut? Vorsicht! Von ihren klassischen Pflichten ist auch eine IT, die Geld verdient, keineswegs entbunden. Zumindest muss sie dafür sorgen, dass ihr jemand die Standardaufgaben kostengünstig und zuverlässig abnimmt. Wie formulierte doch Thorsten Broese, der IT-Service-Verantwortliche des Tabakkonzerns BAT? "Wenn das Tagesgeschäft nicht funktioniert, ist die Diskussion über IT als Business Enabler schnell zurückgekehrt zur Frage, warum wir nicht einmal fähig sind, E-Mails von A nach B zu senden." Berufstätige Alleinerziehende werden an dieser Stelle nur die Schultern zucken: So what? Ein klassischer Fall von Doppelbelastung eben.