Was IT-Studenten wollen

Keine Lust auf alte Hierarchien

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
Sie möchten etwas bewegen und haben kein Verständnis für Abteilungs- und Hierarchiegrenzen. Informatik- und Technikstudenten stellen neue Anforderungen an Arbeitgeber, wie eine aktuelle Umfrage zeigt.

Ob Generation Y, Millenials oder Digital Natives, den unter 30-Jährigen wurden schon etliche Namen verpasst, zahlreiche Studien versuchten gemeinsame Wesensmerkmale herauszuarbeiten, diese neue Generation gegenüber früheren abzugrenzen. Der IT-Dienstleister BSI Business Systems Integration AG wollte vor allem wissen, wie der IT-Nachwuchs tickt. Darum befragte er während der Karrieremesse Ikom an der TU München 178 Informatik-, Mathematik- und Technikstudenten zu ihren Wünschen an den ersten Job.

Christian Rusche, BSI: "Ehrlichkeit und Authentizität sind den jungen Leuten wichtig. Den Umgang mit unmittelbarem, auch negativem Feedback sind sie gewohnt und erwarten das auch vom Team und vom Arbeitgeber
Christian Rusche, BSI: "Ehrlichkeit und Authentizität sind den jungen Leuten wichtig. Den Umgang mit unmittelbarem, auch negativem Feedback sind sie gewohnt und erwarten das auch vom Team und vom Arbeitgeber
Foto: BSI

Das Ergebnis: Die künftigen IT-Fachkräfte wollen etwas bewegen und Verantwortung tragen. Arbeiten wollen sie am liebsten in Teams - ohne alte Hierarchiemodelle. Autorität soll durch Fachkompetenz ‚verdient‘ und begründet werden. Dazu BSI-Chef Christian Rusche: "Kriterien wie Abteilung, Linien oder Alter sind unwichtig. Wenn Sie einem 25-Jährigen erklären wollen, dass er eine wahrscheinlich gewinnbringende Idee nicht umsetzen darf, weil das eine andere Abteilung macht , weil er dafür noch nicht in der passenden Position ist oder weil es dafür kein Budget gibt, würgen Sie Kreativität und Bereitschaft, sich einzubringen, ab." ‚Ohne (alte) Hierarchien‘ ist jedoch nicht gleichbedeutend mit ‚ohne Führung‘: Zu maximaler Autonomie sind die Studenten eher neutral eingestellt ebenso zur Frage nach flexiblen Arbeitszeitmodellen. "Die jungen Leute wollen nicht autonom, aber doch frei und vor allem in einem funktionierenden Team arbeiten. Flexible Arbeitszeitmodelle werden erst später wichtig", erläutert Rusche.

Unmittelbares Feedback ist erwünscht

Junge Leute wollen nicht autonom, aber frei und in funktionierenden Teams arbeiten.
Junge Leute wollen nicht autonom, aber frei und in funktionierenden Teams arbeiten.
Foto: Fotolia, A. Rodriguez

Auch muss das Verhalten des Unternehmens zu den Werten der jungen Menschen passen und die Feedbackkultur stimmen: "Ehrlichkeit und Authentizität sind den jungen Leuten wichtig. Den Umgang mit unmittelbarem, auch negativem Feedback sind sie gewohnt und erwarten das auch vom Team und vom Arbeitgeber", sagt Rusche.

Um ihren Traumjob zu bekommen, überlassen die befragten Studenten nichts dem Zufall: Knapp 70 Prozent machen Praktika oder arbeiten als Werkstudent. 65 Prozent informieren sich übers Internet und in Zeitschriften über potenzielle Arbeitgeber. 55 Prozent besuchen Karrieremessen, Firmenvorträge und Exkursionen an der Uni. Auch die Erfahrungen von Kommilitonen werden als Informationsquelle genutzt.

Die befragten IT-Studenten gehen ihr Jobsuche offen und optimistisch an: So würden zwei Drittel für den Traumjob umziehen, 72 Prozent sind sich sicher, dass sie ihn auch finden. Nur 26 Prozent der Befragten sind sich unsicher und traut den Versprechen der Unternehmen nicht so recht.