Ratgeber Karriere

Chancen im neuen Jahr

Karriereratgeber 2017 – Sarah Wester, Norecu

12.01.2017
Vom 12. bis 25. Januar 2017 beantwortet Sarah Wester Fragen der COMPUTERWOCHE-Leser, die im neuen Jahr wissen möchten, wie ihre beruflichen Chancen stehen, welche Branchen, welche Berufe besonders gute Perspektiven bieten.

Als Headhunterin in einer Branche, die sich so rasant entwickelt wie die IT, ist Sarah Wester es gewohnt, ein hohes Tempo zu gehen. Die diplomierte Psychologin arbeitet als Personalberaterin im Bereich IT & Telekommunikation bei der Norecu Executive Search GmbH in München.

Sarah Wester ist Personalberaterin im Bereich IT & Telekommunikation bei der Norecu GmbH.
Sarah Wester ist Personalberaterin im Bereich IT & Telekommunikation bei der Norecu GmbH.
Foto: Norecu GmbH

Im Rahmen ihrer Mandate sucht sie täglich die perfekten Kandidaten für Experten- und Führungspositionen. Norecu Executive Search ist eine branchenübergreifende, international tätige Personalberatung.

Stellen Sie Ihre Fragen an Sarah Wester einfach unterhalb dieses Beitrags über unsere Disqus-Kommentarfunktion. Sie werden dann zeitnah beantwortet. (hk)

 

Sarah Wester

Hallo Herr Steffenberg,

ich kann verstehen, dass Sie diese Regelung verwundert. Tatsächlich hat sich eine derartige Praxis aber schon in vielen Unternehmen durchgesetzt.

Mit dem Einzug einer agileren Kultur in Unternehmen wird mittlerweile immer stärker die Teamarbeit in den Vordergrund gerückt. Platz für sture Einzelkämpfer bleibt da wenig. Jeder leistet seinen Beitrag zum Team- und damit auch zum Unternehmenserfolg. Als logische Konsequenz sollten Mitarbeiter als Teil des „großen Ganzen“ dann auch für die gemeinsame Leistung belohnt und nicht durch individuelle Boni das Konkurrenzdenken angeheizt werden.

Zahlreiche Studien haben bereits gezeigt, dass extrinsische Anreize wie individuelle Bonuszahlungen kontraproduktiv wirken können. So wird der Arbeitnehmer dazu verleitet, sich rein auf Tätigkeiten zu fokussieren, die zur Erreichung des Bonus beitragen. Gleichzeitig wird ihm quasi unterstellt, dass seine natürliche Grundmotivation zu gering sei.

Im Gegensatz dazu geht man in vielen Unternehmen mittlerweile davon aus, dass Mitarbeiter von sich aus bzw. von innen heraus motiviert an die Arbeit gehen, sofern sie diese als sinnvoll erachten, eine entsprechende Wertschätzung erfahren und angemessenen Spielraum für Selbstentfaltung haben. Ohnehin spielen „weiche Faktoren“ wie z. B. ein angenehmes Arbeitsumfeld oder flexible Arbeitszeiten für Mitarbeiter eine zunehmend stärkere Rolle als „nur“ das Gehalt.

Es ist also gar nicht mehr so ungewöhnlich, dass Unternehmen ihre Gehaltsgefüge diesen Erkenntnissen anpassen und Bonuszahlungen nur noch vom Team- oder sogar dem Gesamtunternehmenserfolg abhängig machen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen und spannenden Wechsel!

Viele Grüße

Sarah Wester

bastian.steffenberg

Sehr geehrte Frau Wester,

nach jeweils fünf Jahren bei einem Unternehmen, steht für mich gerade wieder ein Wechsel an.
Den Arbeistvertrag meines potentiellen neuen Arbeitgebers habe ich bereits bekommen. Das Fix-Gehalt passt soweit, nur die Regelung beim Bonus irritiert mich etwas. Der ist rein vom Unternehmenserfolg abhängig. Ich finde das etwas ungewöhnlich. Meine bisherigen Arbeitgeber haben die Boni immer an den individuelllen Zielen jedes Mitarbeiters und deren Erreichung bemessen. Den Erfolg des Unternehmens kann ich ja jetzt nicht so richtig beeinflussen…
Wie läuft das denn in anderen Unternehmen. Finde nur ich das komisch?

Mfg
B. Steffenberg

Sarah Wester

Hallo Nikolaus,

ich hoffe, ich habe Ihre Frage richtig verstanden.

Betrachtet man wie stark Unternehmen ihre Mitarbeiter im Rahmen technologiegetriebener Veränderungsprozesse begleiten, entdeckt man aktuell enorme Unterschiede.

Leider gehen nach wie vor viele Unternehmen davon aus, dass die digitale Transformation ein rein technisches Thema sei und übersehen dabei die große Rolle der Menschen. Anders als in der Vergangenheit sind von diesen nicht mehr nur eine schrittweise Verbesserung, sondern komplett neue Denk- und Handlungsweisen gefragt. Wachsende Anforderungen der digitalen Welt erfordern es, große Teile der Arbeitsweisen, Methoden und Prozesse komplett umzuwerfen, was wiederum einen enormen Impact auf das gesamte Unternehmen hat. Dies kann zu großen Unsicherheiten führen. Einige springen schneller auf den Zug des Neuen auf, andere tun sich schwerer, Gewohntes gehen zu lassen. Gerade deshalb ist es wichtig, auf die
Mitarbeiter sowie ihre Bedürfnisse und Bedenken einzugehen, sie „abzuholen“,
ihre Ängste abzubauen und sie so gut wie möglich auf die "neue Welt“ vorzubereiten, indem man ihnen Werkzeuge und Arbeitsweisen an die Hand gibt.

Viele Unternehmen wurden davon regelrecht überrollt und müssen erst lernen, sich in der Hinsicht besser aufzustellen und den Fokus stärker auf den Menschen bzw. Mitarbeiter zu legen. Natürlich gibt es auch Vorreiter, die diese Situation frühzeitig wahrgenommen und zum Beispiel spezielle Transformations- bzw. Change Management Teams aufgebaut haben, um genau diese Begleitung der Menschen im Veränderungsprozess sicherzustellen. Den wirklichen Erfolg bringt meiner Meinung nach aber nicht das reine Begleiten der Mitarbeiter, sondern das aktive Einbinden, ihnen die Möglichkeit zu geben, mitzugestalten, Themen zu treiben, sich stärker zu involvieren, sie aber gleichzeitig auch in die Pflicht zu nehmen, dass sie das auch tun. Einige Unternehmen sind da schon auf einem guten Weg, indem sie beispielsweise eine agile Unternehmenskultur etablieren.

Ich hoffe, ich konnte Ihre Frage beantworten, sollten sich weitere Fragen ergeben melden Sie sich gerne hier über die Kommentarfunktion oder auch persönlich bei mir.

Viele Grüße

Sarah Wester

Nikolaus

Sehr geehrter Frsau Wester,

als selbsttändiger Entwickler/IT-Berater und Psychologe sehe ich mich auf techno,ogisch getriebe Change-Themen gut vorbereitet. Bislang habe ich aber von aussen eher den Eindruckl, dass diese Begeleitung stiefmütterlich behandelt wird.
Haben Sie hier andere Beobachtungen?

Mit freundlichen Grüßen

Nikolaus

Sarah Wester

Liebe Leserinnen und Leser,

in den nächsten zwei Wochen stehe ich Ihnen hier als
Karriereratgeberin zur Verfügung. Die IT Branche entwickelt sich weiterhin
rasant, gerade deshalb begegnen mir in meiner täglichen Arbeit immer häufiger
Unternehmen, in denen Change-Prozesse und kultureller Wandel auf der
Tagesordnung stehen, um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein. Dies stellt
nicht nur die Unternehmen selbst, sondern auch Mitarbeiter und Bewerber vor
besondere Herausforderungen.
Gerne beantworte ich Ihre Fragen rund um dieses Thema sowie
auch all Ihre anderen Karrierefragen.

Ich freue mich auf den Austausch mit Ihnen!

Herzliche Grüße

Sarah Wester

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