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Kai-Uwe Ricke: Telekom befindet sich in einer tiefen Glaubwürdigkeitskrise

24.03.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der neue Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke kann nach eigenen Angaben die Enttäuschung der Anleger verstehen. Die tiefe Glaubwürdigkeitskrise, in der sein Unternehmen stecke, betreffe einerseits die Leistung des Konzerns, erklärte der seit November amtierende Nachfolger von Ron Sommer in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Hinzu kämen die vielen Klagen gegen die Telekom, unter anderem wegen der vermeintlichen Falschbewertung der Immobilien, dem Vorwurf der Falschbilanzierung beim Kauf des US-Mobilfunkanbieters Voicestream sowie die angeblich falschen Rechnungen an Telekom-Kunden. Ricke versicherte jedoch, sein Unternehmen werde alles tun, um die Vorwürfe schnellstens aufzuklären und die verlorene Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen.

Was die operativen Schwächen der Telekom anbelangt, bekräftigte der ehemalige T-Mobile-Chef erneut seine Pläne, den Schuldenberg bis Jahresende auf 49 bis 52 Milliarden Euro zu senken. Dazu sollen jeweils sechs Milliarden Euro aus dem Verkauf von Randaktivitäten sowie aus dem Cashflow beitragen. Ein Verkauf oder Börsengang von T-Mobile sei dagegen nicht geplant, auch werde man keine weiteren T-Online-Aktien mehr abstoßen. Nach dem Rekordverlust von knapp 25 Milliarden Euro im Vorjahr seien keine neuen Milliardenabschreibungen mehr zu befürchten, so der Unternehmenschef. "Wir haben reinen Tisch gemacht", erklärte Ricke.

Auch in Sachen Krisen-Management gelobte der 41-Jährige Besserung. Vor allem die Vorgänge rund um die Ablösung seines Vorgängers Ron Sommer bezeichnete Ricke als absolut unprofessionell. Die Monate seien aus Unternehmenssicht im höchsten Grade schädlich gewesen, anschließend sei es fast unmöglich gewesen, ohne öffentliches Tamtam auf Kandidatensuche zu gehen. Obwohl er erst vier Monate nach dem Rücktritt Sommers zum neuen Vorstandsvorsitzenden ernannt worden war, sieht sich der Topmanager nicht als zweite Wahl für den Chefsessel. Der ehemalige Zögling von Ex-Telekom-Chef Sommers mühte sich in dem Gespräch allerdings, starke strategische Unterschiede gegenüber seinem Vorgänger darzulegen.

Wie inzwischen bekannt wurde, hat T-Mobile USA ihren Präsidenten und COO Robert Dotson zum neuen Firmenchef ernannt. Dotson tritt die Nachfolge von John Stanton an, der jedoch seinen Posten als Chairman behalten wird. (mb)