IT-Consulting

"Jungen Beratern fehlt die Erfahrung"

Sabine Prehl ist freie Journalistin und lebt in München.
Anzeige  Die Corivus AG stellt ausschließlich Consultants ein, die zuvor Führungspositionen in Anwenderunternehmen innehatten.

Wenn IT-Vorhaben scheitern, hapert es meist am Projekt-Management oder an ständig wechselnden Anforderungen, "wobei diese wiederum eine Schwäche des Projekt-Managements sind", beobachtet Martin Hornbach, Vorstand der Corivus AG aus Neustadt an der Weinstraße, die Großunternehmen zu Change-Management, Personalentwicklung und IT-Alignment berät. Hauptrund ist seiner Meinung nach ein Mangel an Erfahrung und Umsetzungskompetenz: "Die jungen Mitarbeiter der großen Beratungshäuser sind gut, keine Frage. Aber bei komplexeren Projekten sind Consultants gefragt, die fundierte praktische Erfahrungen auf Anwenderseite vorweisen können", so Hornbach.

Als ehemaliger IT- und Logistikvorstand der Hornbach Baumarkt AG weiß der Manager, wovon er spricht. "Die Ergebnisse unserer Advisors haben uns nicht immer überzeugt", erinnert sich der Manager. Vor allem die jungen Berater entwickelten ihre Strategien am Reißbrett und könnten oft nicht nachvollziehen, worum es ihren Kunden gehe. Zudem fehle es ihnen an wichtigen Soft Skills: "Neben Technik- und Prozesskompetenz muss ein Berater gut zuhören können und auch einmal Nein sagen, wenn ein Projekt keinen Sinn hat." Erfahrung ist für Hornbach unerlässlich: "Wir stellen nur Leute ein, die mindestens zehn Jahre lang auf Führungsebene in einem Kundenunternehmen tätig waren."

Natürlich hat auch Corivus Probleme, solche Mitarbeiter zu finden, räumt der Manager ein: "Wir haben schon rlebt, dass wir ein Projekt nicht machen konnten, weil uns die Leute dafür fehlten." Die Anwender müssten angesichts des Fachkräftemangels analysieren, welche Qualifikationen ihre IT-Abteilung in drei Jahren benötigt, rät Hornbach. Nur dann könnten sie Mitarbeiter gezielt rekrutieren. Corivus bietet hierfür ein kundenindividuelles Skill-Management an. Generell sollten Unternehmen langfristiger planen, mahnt Hornbach: "Wer Kosten senken will, muss erst einmal in entsprechende Maßnahmen investieren." Entscheidend seien keine kurzfristigen Einsparungen, sondern Effizienzsteigerungen. "Die bringen vielleicht erst Jahre später den gewünschten Effekt, dafür aber dauerhaft."

Corivus wird im laufenden Geschäftsjahr mit seiner auf Healthcare spezialisierten Schwesterfirma Sanrivus knapp zehn Millionen Euro umsetzen. In fünf Jahren sollen es 25 Millionen Euro sein, sagt Hornbach. Dass Anwender wegen der Konjunkturkrise ihre Beratungsausgaben kürzen, befürchtet er nicht: "Jetzt Projekte zurückzufahren, die auf Konsolidierung und Rationalisierung abzielen, wäre ein Start im Rückwärtsgang."