Klassische "Captive Open Source"

JBoss bekommt sein Developer Studio aus der Tür

12.12.2007
Die Infrastruktursparte von Red Hat, JBoss, hat nach der Übernahme des Ajax-Toolings "RichFaces" von Exadel im vergangenen März nun endlich ihre versprochene Entwicklungsumgebung in Version 1.0 veröffentlicht.

Der Freigabe gingen monatelang Vorabversionen voraus. Und in einer Welt der offenen Quellen gibt es daher auch wenig Überraschungen, was den Inhalt des JBoss Developer Studio 1.0 angeht. Enthalten sind die Frontend-Entwicklerwerkzeuge von Exadel, als da wären "Studio Pro", ein Toolset für Web-Anwendungen mit Unterstützung für JSF, Struts, Hibernate und Spring; "RichFaces" für visuelle Komponenten sowie "Ajax4jsf", mit dem man Rich Clients im Ajax-Stil (Asynchronous JavaScript and XML) mit JSF-Komponenten erzeugen kann.

So präsentiert sich das JBoss Developer Studio dem Benutzer.
So präsentiert sich das JBoss Developer Studio dem Benutzer.

Wie viele andere Ajax-Werkzeuge für Unternehmen minimiert das JBoss Developer Studio für Entwickler das direkte JavaScript-Coding - in diesem Fall, indem es sich auf JSF (Java Server Faces) stützt, das Web-Seiten aus Java-Komponenten generiert.

JBoss wandelt mit dem Paket auf dem schmalen Grat zwischen Open Source und dem, was eigentlich als proprietäre Technik anzusehen wäre. In der Tat ist der gesamte quelloffen, sprich man darf mit den Innereien der Technik herumspielen, damit tun, was man möchte, und muss nur für den Support bezahlen. Herstellerneutral ist das Developer Studio aber wahrlich nicht. Vielmehr ist daraufhin optimiert, mit anderen JBoss-Techniken zusammenzuspielen. Dazu gehören SEAM (laut JBoss aufgrund seiner JSF-Unterstützung weit mehr als nur ein weiteres Model-View-Controller-Werkzeug) und die hauseigenen BPM- und Rules-Management-Lösungen.

Der Branchendienst "Computerwire" sieht hierin ein hervorragendes Beispiel für das, was Entwickler gemeinhin als "Captive Open Source" bezeichnen: Die Eingeweide der Technik werden vollständig offengelegt, aber das quelloffene Projekt kontrolliert der Hersteller. Der Ansatz ist ähnlich wie bei Eclipse - JBoss sitzt im Board, sein Development-Stack wird als Eclipse-Plug-ins angeboten, aber hosten tut ihn JBoss selbst und nicht Eclipse. JBoss begründet das damit, dass es bei der Lizenzierung auf die "reinere" GPL und nicht die herstellerfreundlichere Apache-Lizenz setzt. Oder mit anderen Worten: Softwarefirmen, die ihre Produkte unter konventionellen proprietären Bedingungen lizenzieren, sollen nicht damit Geld verdienen können, dass sie JBoss in ihre Produkte einbetten. (tc)