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JavaOne: Suns CEO Schwartz lehnt harte Sparmaßnahmen ab

18.05.2006
Trotz der angespannten Finanzsituation von Sun Microsystems spricht sich Jonathan Schwartz gegen die von Analysten geforderten Einschnitte aus.

„Ich kenne kein Unternehmen, das durch Sparmaßnahmen gewachsen ist“, erklärte der Manager auf Suns Entwicklerkonferenz JavaOne in San Francisco. Er erteilte damit Forderungen von Finanzanalysten eine Absage, die einen Personalabbau um bis zu 15 Prozent empfehlen. Schwartz hat das Amt des CEO erst im April von Scott McNealy übernommen, der nach 22 Jahren zurücktrat.

Nach dem Platzen der Internetblase verlor Sun jedes Jahr Geld oder fuhr nur minimale Gewinne ein, der Jahresumsatz schmolz seit 2001 von 18,7 Milliarden Dollar auf elf Milliarden Dollar. McNealy sah sich deshalb zunehmender Kritik von Investoren ausgesetzt. Dennoch plant offenbar auch Schwartz keine harten Einschnitte. „Umsatz ist kein geeigneter Maßstab, um Suns Erfolg in der Entwicklergemeinde zu messen“, hielt der 40-Jährige den Wall-Street-Experten entgegen. Statt an der Kostenschraube zu drehen, werde sein Unternehmen auf Wachstum und Innovationen setzen. In den vergangenen zwölf Monaten habe Sun fast zwei Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung investiert. Neben organischem Wachstum schloss er auch weitere Akquisitionen nicht aus.

Darüber hinaus gelte es, das Geschäft effizienter und profitabler zu gestalten, konzedierte Schwartz, ohne allerdings konkreter zu werden. Dass Sun sich im Aufwind befinde, belege nicht zuletzt die wachsende Attraktivität der jährlichen Java-Entwicklerkonferenz: „Das ist die größte JavaOne seit der Internetblase." Nach vorläufigen Zahlen nehmen rund 20.000 Softwareexperten an der Veranstaltung teil, die vom 15. bis 19. Mai läuft. Die Verantwortlichen hatten im Vorfeld mit deutlich weniger Besuchern gerechnet.

In der Eröffnungsrede am Dienstag hatte Suns Softwarechef Rich Green in Aussicht gestellt, die Kontrolle über Java der Open-Source-Community zu übergeben (siehe: „JavaOne: Sun verspricht Open-Source-Java“). Schwartz erhofft sich davon eine stärkere Verbreitung der Programmiersprache unter Linux-Nutzern. Dass Sun nach einer Offenlegung Umsatzeinbußen erleiden könnte, glaubt der CEO nicht: „Open Source bedeutet nicht weniger Umsatz, sondern weniger Hürden, um Geschäfte zu machen." Auf die immer wieder gestellte Frage, wie viele Einnahmen Sun mit Java erziele, blieb er eine Antwort schuldig. Java bilde eine Infrastruktur, ähnlich dem Schienennetz eines Transportunternehmens. Deren Wert oder Umsatzbeitrag lasse sich nicht in Dollar messen. (wh)