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IuC-Sparte von Siemens hat wieder Aufwind

13.11.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Sparte Informations and Communications der Münchner Siemens AG scheint sich zu erholen. Dies bekräftigte auch Konzernchef Heinrich von Pierer auf der heutigen Jahrespressekonferenz in München, der dem Management der betreffenden Bereiche eine insgesamt "sehr gute Leistung" attestierte. So gelang es dem Bereich Information and Communication Networks (ICN), in dem das Netzbetreiber- und einschlägige Diensleistungsgeschäft der Münchner sowie die Business Unit Enterprise Networks zusammengefasst sind, nach neun Verlustquartalen in Folge im vierten Quartal 2003 (Ende: 30. September) erstmals wieder, schwarze Zahlen zu schreiben. Bei einem Umsatz von 1,95 Milliarden Euro steht ein Vorsteuerprofit von 57 Millionen Euro in den Büchern. Allerdings sind diese Zahlen – wie alle übrigen Kennziffern, die Siemens heute veröffentlichte – noch vorläufig. Im Vergleichsquartal

des Vorjahres hatte ICN noch einen Verlust von 325 Millionen Euro produziert. Für das gesamte Geschäftjahr 2000 steht bei ICN voraussichtlich ein Umsatz von 7,1 Milliarden Euro (minus 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr) sowie ein Fehlbetrag von 366 Millionen Euro (Vorjahr: minus 691 Millionen Euro) in der Bilanz.

Auch der Bereich Information and Communication Mobile (ICM), der die Geschäftsgebiete Mobile Phones, Mobile Networks und Cordless Products umfasst, konnte sich im vierten Quartal mit einem Betriebsgewinn von 49 (24) Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich verbessern. Von Pierer führte dies vor allem auf den Verkauf von rund zwölf Millionen Handys in der Berichtsperiode zurück, was einen neuen Unternehmensrekord bedeutete. Für den Jahresabschluss meldet ICM Einnahmen in Höhe von 9,7 Milliarden Euro (minus zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr) und einen Ertrag von 180 (96) Millionen Euro.

Einmal mehr durchwachsen sieht indes die Situation bei Siemens Business Services (SBS) aus. Der IT-Dienstleister schloss das abgelaufene Geschäftsjahr nur mit einem mageren Gewinn von 13 Millionen Euro ab. Der Umsatz fiel im Vorjahresvergleich um zehn Prozent auf 5,2 Milliarden Euro. Der Rückgang gegenüber dem Geschäftsjahr 2002 ist im wesentlichen auf eine Risikovorsorge von 77 Millionen Euro für einen langfristigen Outsourcing-Vertrag in Großbritannien zurückzuführen, hieß es.

Grundsätzlich vertrat von Pierer die Auffassung, dass die Konzernsparte I&C "in einem anhaltend schwierigen Marktumfeld" wieder Tritt gefasst habe. Jetzt sei man aber kostenseitig und produktmäßig gut aufgestellt, um eine "neue Wachstumsphase" einzuläuten. Das Ziel für den gesamten Konzern sei: "Go for profit and growth"! Detailliert setzte sich der Siemens-Chef in diesem Zusammenhang auch mit den vor drei Jahren jedem der insgesamt 14 Geschäftsbereiche aufgegebenen Ergebnismargen auseinander. Mit einer Bruttoumsatzrendite von 2,9 Prozent war beispielsweise ICN im vierten Quartal trotz der Rückkehr zur Profitabilität meilenweit von dem Ziel entfernt, die ursprünglich bis 2003 gewünschte Ergebnismarge von acht bis elf Prozent abzuliefern. Ähnliches gilt für ICM und SBS (dort sollen fünf bis sechs Prozent erreicht werden). Vom Ziel, dass die drei I&C-Bereiche diese Vorgaben nun zumindest im nächsten Jahr erreichen, will von Pierer

indes "keinesfalls" abweichen. Allerdings müsse man auch zur Kenntnis nehmen, was derzeit im Markt "realistisch" ist.

Einsilbig äußerte sich der Siemens-Frontmann zu den Spekulationen der letzten Wochen, wonach die I&C-Sparte tiefgreifend restrukturiert werden soll – etwa durch einen kompletten Verkauf der Handy-Produktion oder deren Auslagerung in ein Joint-venture. Man denke "über vieles nach, verwerfe ebenso vieles", spruchreif sei somit überhaupt nichts.

Offiziell bestätigt wurde heute in München auch nochmals die Berufung des bisherigen CEOs von Siemens USA, Klaus Kleinfeld, in den Zentralvorstand des Konzerns. Kleinfeld übernimmt dort ab 1. Januar 2004 die Verantwortung für den Konzernbereich I&C und wird damit Nachfolger des Ende September ausgeschiedenen Vorstands Volker Jung. Außerdem wird der 46-jährige Manager, der Insidern zufolge als Shooting-Star und Vertrauter von Konzernchef von Pierer gilt, Leiter der Hauptabteilung Corporate Strategies. Bis Jahresende führt von Pierer selbst weiterhin komissarisch den Konzernbereich I&C. Fragen, ob er – wie gerüchteweise seit längerem gehandelt wird – eine Verlängerung seines Mitte 2004 auslaufenden Vertrages als Vorstandsvorsitzender um mindestens zwei weitere Jahre anstrebt, quittierte von Pierer mit der forschen Bemerkung: "Da könnten Sie unter Umständen ins Schwarze treffen." (gh)