Web

 

Itanium: Liegt in Intels Schublade ein "Plan B"?

28.01.2002
0

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Für einiges Aufsehen hat ein Bericht der "San Jose Mercury News" gesorgt. Darin wird behauptet, Intel arbeite seit einiger Zeit an einem "Plan B" für den Fall, dass die neue "Itanium"-Architektur nicht der gewünschte Verkaufsschlager wird. Konkret geht es um eine Technik namens "Yamhill". Diese würde in für 2003 oder 2004 erwarteten Pentium-Generation "Prescott" die Fähigkeit freischalten, neben den gewohnten 32-Bit-Programmen auch angepasste 64-Bit-Software zu verarbeiten - ganz genau so, wie Konkurrent AMD (Advanced Micro Devices) das mit seinem "Hammer"-Chip plant. Die Idee zu dem Yamhill-Projekt hätten zunächst einige "abtrünnige" Intel-Ingenieure am Standort Hillsboro im US-Bundesstaat Oregon gehabt, heißt es weiter. Innerhalb des Unternehmens habe es verständliche Kontroversen

gegeben, denn ein offizielles Eingeständnis solcher Forschung bedeute einen "Dolchstoß" in den Rücken des Itanium. Hochrangige Manager, darunter auch Konzernchef Craig Barrett, hätten sich indes entschlossen Yamhill zu unterstützen. Ob die 64-Bit-Erweiterung im Prescott aktiviert wird oder nicht, soll dem Bericht zufolge erst unmittelbar vor dessen Verkaufsstart nach einer Bewertung von AMDs Hammer-Erfolg entschieden werden. AMD, für das laut CEO Jerry Sanders ein 32/64-Bit-Chip von Intel "der größte Albtraum" wäre, setzt mit seinem Chip ganz klar auf Abwärtskompatibilität zu bestehenden Anwendungen. Intel und sein Entwicklungspartner HP versuchen dagegen, eine komplett neue Architektur im Markt durchzusetzen, die auch vollkommen neue Applikationen erfordert. Intel selbst wollte den Bericht nicht offiziell kommentieren. Analysten halten ihn aber für durchaus glaubhaft. "Das würde ihnen auf jeden Fall mehr Ellbogenfreiheit bei der

Verlängerung der jetzigen Architektur verschaffen", meint Chipexperte Ashok Kumar von Piper Jaffray. Auch Kevin Krewell von Microdesign Resources ist sich sicher, das Intel die x86-Architektur ins 64-Bit-Zeitalter hieven will. "Es wäre verrückt, keinen solchen Ausfallplan zu haben", glaubt der Analyst. "Zugeben können sie das aber natürlich nicht, um ihr Itanium-Programm nicht zu untergraben." (tc)