Green IT

IT-Recycling: Plastik zu Plastik, Rohstoff zu Rohstoff, Gift zu Gift

25.01.2008
Das Recycling von PCs und anderen Elektronikgeräten sollte heutzutage selbstverständlich sein. Bis zu dieser Einstellung hat es allerdings Jahre gedauert, und in den USA hat sich der Trend immer noch nicht durchgesetzt.

Seit knapp zwei Jahren, genauer seit dem 24. März 2006, dürfen Elektrogeräte in Deutschland definitiv nicht mehr in den Restmüll. Nach ihrem Ableben haben sie ein neues Ziel: den Wertstoffhof. Schließlich handelt es sich bei Computern, Faxgeräten und Handys teilweise um sekundäre Rohstoffe, auch wenn der Verbraucher seinen Elektroschrott in erster Linie als Abfall betrachtet, der in der Regel und laut Gesetz mehr oder weniger "gefährlich" ist. Immerhin ist die Entsorgung für Privatnutzer kostenlos – schließlich sind die Aufwendungen für das Recycling bereits im Kaufpreis enthalten.

Das Elektro-Recycling gibt es in Deutschland nicht erst seit 2006. Die Branche ist geprägt von mehreren hundert kleinen und mittelständischen Unternehmen, sozialen Einrichtungen sowie Firmen, die Teil eines Konzerns sind. Sie arbeiten mit Shreddern, Aufbereitungsmaschinen und – daran führt kein Weg vorbei – mit den Händen. Pro Jahr fallen in Deutschland rund 1,1 Millionen Tonnen Elektroschrott aus Privathaushalten an, hinzu kommen rund 700.000 Tonnen aus Unternehmen. TK-Ausrüstung, Computer und Unterhaltungselektronik schlagen jeweils mit weit über 100.000 Tonnen pro Jahr zu Buche.

Mitarbeiter von FSC bereiten alte Rechner auf - der Augsburger Konzern hat relativ früh auf Grüne IT gesetzt.
Mitarbeiter von FSC bereiten alte Rechner auf - der Augsburger Konzern hat relativ früh auf Grüne IT gesetzt.

Für die PC-Hersteller ist das Geschäft dem Bekunden nach neben dem Imagegewinn auch noch lukrativ: So sammelte Hewlett-Packard (HP) eigenen Angaben zufolge in der Region Europa, Naher Osten und Afrika (Emea) von Mitte 2004 bis Mitte 2007 über 90 Millionen Kilogramm Hardware ein. Vom Stichtag 24. März 2006 bis Mitte August hat HP allein in Deutschland mehr als 17 Millionen Kilogramm Elektroschrott zurückgenommen und mehr als 3100 Abholungen von kommunalen Sammelstellen durchgeführt.

PC Recycling: Jährlich 20 Millionen Tonnen Elektronikschrott

HP begann bereits vor 20 Jahren mit dem Recyceln von Altgräten. Eine der ersten europäischen Wiederaufbereitungsstellen lag am Standort Grenoble und arbeitete bereits nach kurzer Anlaufphase kostendeckend. Aus den zurückgenommenen Kunstoffen und Metallen entstehen Teile von Autokarosserien, Plastikspielzeug, Zaunpfosten, Kleiderbügel und Dachziegel. Zudem fließen die Erkenntnisse aus dem Recycling-Prozess in das Design neuer Hardware ein, beispielsweise um die Gehäuse schnell und möglichst ohne Werkzeug öffnen zu können. Andere Lieferanten haben das Recycling an Subunternehmer ausgelagert.

Weltweit sollen Berichten zufolge jährlich zwischen 20 Millionen und 50 Millionen Tonnen Elektronikschrott anfallen, allein in Kalifornien werden pro Tag 6000 Computer zum Alteisen. Mit boomenden Volkswirtschaften wie in China oder Indien wird sich das Problem jedoch verschärfen, denn die Länder haben schlechtere Umweltstandards als europäische Staaten, wo es allerdings auch Jahre gedauert hat, die negative Entwicklung zu erkennen, nach einer Lösung zu suchen und diese auch zu praktizieren.

Mülltourismus - Menschen in Indien schlachten Elektroschrott unter erbärmlichen Verhältnissen aus.
Mülltourismus - Menschen in Indien schlachten Elektroschrott unter erbärmlichen Verhältnissen aus.
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Wenig geändert hat sich allen Initiativen zum Trotz beim Problem des "Mülltourismus" von Elektronikgeräten in Entwicklungsländer, berichtet Maria Elander, Leiterin Kreislaufwirtschaft der Deutschen Umwelthilfe (DUH) in Berlin. Unter teils übelsten Bedingungen und für einen geringen Lohn sind Menschen damit beschäftigt, ehemaligen Gadgets ihre Rohstoffe abzutrotzen. Dabei gelangen hochgiftige Stoffe wie Dioxine, Furane, Blei, Quecksilber und Cadmium in die Umwelt und in die Körper der Verwerter, der Rest landet auf Deponien. Das lohnt sich für alle Beteiligten, nicht aber für die unmittelbar Betroffenen vor Ort.

Ein Problem ist, dass Zollbehörden kaum spontan unterscheiden können, was nun Elektroschrott ist oder sich für die Aufarbeitung und Wiederverwertung in anderen Ländern eignet. So stehen in der ersten Reihe des Containers diejenigen Rechner, die sich für die Aufbereitung nutzen lassen, dahinter verbirgt sich der Elektroschrott. Laut Elander blieb nämlich auch die europäische Recyclingbranche nicht vom herrschenden Zeit- und Margendruck verschont. Vor allem die Entsorgung privater Computer und Gadgets lohne sich kaum, denn der Aufwand sei immens. Besser sieht es bei Enterprise-PCs aus, wenn etwa 300 PCs auf einen Schlag zum Recycling überführt werden. Folglich nutzen schwarze Schafe die internationalen Warenströme, um sich des Problems vermeintlich elegant zu entledigen und dabei noch Gewinn zu erzielen.

Elektroschrott-Export nach Asien

Die Schwierigkeiten sind jedoch in den USA und Australien größer als in Europa, da die Gesetzgebung in der Alten Welt weiter fortgeschritten ist – die Schweiz hatte eine Pionierrolle eingenommen. Beim Mülltourismus soll etwa die "Basler Konvention" Abhilfe schaffen, in der derzeit 170 Nationen eine Übereinkunft gegen den Export von Elektroschrott getroffen haben – die USA verweigern sich bislang der Ratifizierung. Schätzungen zufolge gehen 80 Prozent der für das Recycling vorgesehenen Geräte aus den USA per Schiffscontainer nach Asien. Was dort mit dem Inhalt geschieht, kann man nur ahnen. Die Initiative für strengere Gesetze müssen derzeit die US-Bundesstaaten übernehmen, denn Washington tut sich schwer mit dem Thema.

Immerhin befindet sich die Elektro- und PC-Branche auf dem richtigen Weg. Dies betrifft die strukturellen und legislativen Voraussetzungen für das Recycling ebenso wie das Schlagwort "Green IT", dem sich heute kein Lieferant mehr verschließen kann. Selbst Apple, oft von Umweltschutzorganisationen für die wenig ökologische Produktpolitik kritisiert, hat inzwischen dazugelernt: So nahm Firmenchef Steve Jobs im Januar erstmals in einer seiner Keynote-Reden Bezug zur Umwelt und kündigte Verbesserungen bei den verbauten Materialien an. Das Auditorium quittierte dies mit Applaus, schließlich ist Grün auch in Teilen der USA en vogue. Die beste Recyclingmaßnahme für PCs und andere Elektrotechnik ist allerdings immer noch, das Gerät möglichst lange zu verwenden und es gegebenenfalls als "Second-Hand"-PC aufbereiten zu lassen.

Ein anderer Weg des Recyclings wird seit jeher in Entwicklungsländern gegangen: Hier holen sich Diebe Kupferkabel aus dem Boden, um sie an Altmetallhändler zu verscherbeln. Der Trend griff vergangenes Jahr auch auf die USA über: In der Stadt Montville im US-Bundesstaat Ohio waren rund 1,1 Kilometer Kabel aus der Erde entwendet worden, was kurzzeitig zu einem Zusammenbruch des Internets in der Region führte. Die Polizei ging davon aus, dass die Diebe gedacht hatten, das Kabel sei aus Kupfer – tatsächlich klauten sie wertlose Glasfasern. Indes gibt es das Phänomen des Metallrecyclings auch in Deutschland: Hierzulande werden mit Vorliebe stillgelegte Eisenbahngleise professionell demontiert und wiederverwertet. (ajf)