Wirtschaftskrise

IT-Investitionen - jetzt erst recht?

Sabine Prehl ist freie Journalistin und lebt in München.
Fast jeder zweite IT-Verantwortliche geht davon aus, dass sich die Krise nicht negativ aufs IT-Budget auswirkt.
So wirkt sich die Krise im Einzelnen aus.
So wirkt sich die Krise im Einzelnen aus.
Foto: RAAD Research

Bei den IT-Ausgaben zeichnen sich in Zeiten konjunktureller Schwäche traditionell zwei Strömungen ab: Auf der einen Seite sparen die Unternehmen. Vor allem bei Investitionen, die sich nicht unmittelbar refinanzieren, ist Zurückhaltung angesagt. Auf der anderen Seite sagen die Entscheider: "Jetzt erst recht!". Gerade in Krisenzeiten komme es darauf an, in die Verbesserung der Prozesse zu investieren, um die rarer werdende Kundschaft mit günstigen Angeboten überzeugen zu können, so ihr Argument. Die Berater von Raad Research teilen diese Ansicht. Allerdings kommt bei der derzeitigen Krise erschwerend hinzu, dass die Banken wenig Liquidität in den Markt bringen. Dadurch lassen sich auch gewollte Investitionen schwerer finanzieren.

Wie wird sich die Krise vor diesem Hintergrund auf die IT-Ausgaben der Unternehmen im laufenden Jahr auswirken? Einer Umfrage von Raad unter 300 IT-Verantwortlichen in Deutschland zufolge nicht so drastisch wie erwartet: Immerhin 45 Prozent der Befragten rechnen für 2009 nicht mit Kürzungen des IT-Budgets. 41 Prozent glauben dagegen, dass sich die Krise negativ darauf auswirkt. 14 Prozent konnten die Entwicklung der IT-Investitionen zum Befragungszeitpunkt noch nicht absehen.

Allerdings hängen die Antworten stark von der Größe und Branche des jeweiligen Unternehmens ab: So geht bei den Mittelständlern mehr als jeder zweite IT-Verantwortliche (51 Prozent) von negativen Folgen für sein Budget aus. Bei Firmen mit mehr als 500 Mitarbeitern sind es dagegen nur 38 Prozent. Zumindest in der Wahrnehmung ist die Krise also eine Mittelstandskrise - unter anderem auch, weil IT-Investitionen von Investoren und Banken finanziert werden müssen, begründen die Raad-Experten. Gleichzeitig sei der Druck zur IT-Erneuerung im Mittelstand nach wie vor sehr hoch. Wichtig sei daher, dass die IT-Anbieter den Anwendern flexible Finanzierungs- und Betriebsmodelle zur Verfügung stellen.

Besonders pessimistisch sind von der Krise stark betroffene Branchen wie die Autoindustrie: 90 Prozent der befragten IT-Entscheider rechnen hier mit einer deutlichen Eintrübung. Auch der exportorientierte Maschinenbau, das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, zeichnet ein düsteres Bild: 58 Prozent der IT-Verantwortlichen erwarten negative Auswirkungen auf ihr Budget. Uneins präsentiert sich der Handel: Etwa die Hälfte der Befragten rechnen mit einem Rückgang der IT-Ausgaben. 39 Prozent glauben dagegen nicht daran. Auch der Dienstleistungssektor sieht insgesamt nicht so schwarz wie erwartet. Speziell bei den Finanzdienstleistern geht allerdings mehr als jeder dritte IT-Verantwortliche von negativen Auswirkungen auf sein Budget aus. (sp)