Web

 

Irland-Tochter drückt Microsofts Steuern

08.11.2005
Um möglichst viel Geld vor dem Fiskus zu retten, verbucht die Gates-Company ihre in Europa, dem Nahen Osten und Afrika (Emea) erzielten Lizenzerlöse in Irland.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Eine Anwaltskanzlei in Dublin beherbergt eine kleine Tochtergesellschaft von Microsoft, die dem Softwareriesen jährlich mindestens 500 Millionen Dollar Steuern sparen hilft. Die viereinhalb Jahre alte Company Round Island One Ltd. beschäftigt zwar nur wenige Mitarbeiter, kontrolliert jedoch mehr als 16 Milliarden Dollar von Microsofts Vermögenswerten, hat das "Wall Street Journal" in Erfahrung gebracht. In Irland relativ unbekannt, ist die Firma mit einem Bruttogewinn von fast neun Milliarden Dollar in 2004 schnell zu einem der größten Unternehmen des Landes aufgestiegen. Auch den meisten Bewohnern ist Round Island One kein Begriff, wenngleich sie der Existenz des Unternehmen viel zu verdanken haben. Im Geschäftsjahr 2004 überwies der Ableger der Gates-Company mehr als 300 Millionen Dollar an Steuern an das irische Finanzamt - das sind etwa 77 Dollar pro Einwohner des kleinen Landes.

Die Bürger anderer Nationen, in denen Microsoft seine Produkte verkauft, haben weniger Glück. Round Island One bietet dem Softwarekonzern eine Struktur, um seine Unternehmenssteuern in einem Großteil von Europa deutlich zu senken und schützt Milliardenbeträge vor dem Zugriff der US-Steuerbehörde IRS. Ein Großteil des Umsatzes der Dubliner Firma besteht aus Lizenzgebühren für kopiergeschützten Softwarecode, der aus den USA stammt. Einige der Rechte auf diese Vermögenswerte liegen in Irland - das Werk komplizierter Bilanzierungsregeln, die das US-Schatzamt und die IRS gerne abschaffen würden.

Der Trick: Über eine Holding namens Flat Island Co. vergibt Round Island die Lizenzen für Microsoft-Anwendungen im gesamten Emea-Raum. Anschließend leitet die Gates-Company die Lizenzerlöse zurück nach Irland zu Round Island, das nicht einmal 17 Millionen Dollar Steuern an die 20 Länder abführt. Ein Großteil des Gewinns, immerhin 4,1 Milliarden Dollar in 2004, werden zu einem Unternehmenssteuersatz von gerade einmal 12,5 Prozent in Irland versteuert.

Diesem Effekt hat es Microsoft nach eigenen Angaben mit zu verdanken, dass der weltweiter Steuersatz im vergangenen Geschäftsjahr auf 26 Prozent gesunken ist - von 33 Prozent im Jahr davor. Knapp die Hälfte des Rückgangs ging auf das Konto von niedrigeren Steuersätzen im Ausland, teilte der Softwareriese im August der US-Börsenaufsicht SEC mit. Round Island One ist dabei das Kernstück der Maßnahmen von Microsoft, intellektuelles Eigentum und andere Vermögenswerte in Billigsteuerländer zu verfrachten, berichtet das "WSJ". Demnach hat sich die irische Firma in den vergangenen drei Jahren andere Microsoft-Niederlassungen, von Israel bis Indien, einverleibt und einen Großteil von deren Steuerpflichten nach Irland verschoben. In den USA werden die Rechte für viele Microsoft-Produkte und -Lizenzen von der Muttergesellschaft Round Island LLC in Nevada verwaltet, da der Bundesstaat im Gegensatz zu Washington die mit geistigem Eigentum erwirtschafteten Umsätze nicht besteuert. (mb)