Hollywood und IT

iPad ist nur der Anfang - die Zukunft der IT

Jan-Bernd Meyer betreut als leitender Redakteur Sonderpublikationen und -projekte der COMPUTERWOCHE. Auch für die im Auftrag der Deutschen Messe AG publizierten "CeBIT News" ist Meyer zuständig. Inhaltlich betreut er darüber hinaus Hardware- und Green-IT- bzw. Nachhaltigkeitsthemen sowie alles was mit politischen Hintergründen in der ITK-Szene zu tun hat.   
Was hat das gerade vorgestellte iPad von Apple mit Steven Spielbergs Film "Minority Report" aus dem Jahr 2002 und Tom Cruise in der Hauptrolle zu tun? Mehr als Sie denken.

In diesem Science-Fiction-Film operiert der Hauptdarsteller Tom Cruise alias John Anderton in einer virtuellen Welt, die er mit Gesten bedienen und manipulieren kann.

Das iPad ist nur der Anfang, der in eine schöne, neue Welt der animierten Benutzerschnittstelle führt. Mit dem "g-Speak Spatial Operating Environment" von Oblong Industries wird eine neue Qualität der Computernutzung Realität werden.
Das iPad ist nur der Anfang, der in eine schöne, neue Welt der animierten Benutzerschnittstelle führt. Mit dem "g-Speak Spatial Operating Environment" von Oblong Industries wird eine neue Qualität der Computernutzung Realität werden.
Foto: Apple

Hier ist die Verbindung zum iPad, das Apple Ende Januar 2010 vorstellte (siehe CW-Drilldown). Denn bei dem mit dem üblichen Medienrummel präsentierten Touchpad dreht sich fast alles um die Frage der Benutzerschnittstelle. Beim Apple-System ist das noch ein vergleichsweise konventioneller berührungsempfindlicher Monitor. Die Zukunft aber gehört Systemen, die auf menschliche Gesten reagieren.

Spezialist hierfür ist John Underkoffler. Er arbeitete 15 Jahren am Eliteinstitut MIT Media Lab, bevor er das Unternehmen Oblong Industries mitbegründet, das heute 25 Mitarbeiter besitzt und in Los Angeles angesiedelt ist. Er hat Steven Spielberg 2002 als Berater geholfen, die Animation eines gestengesteuerten Computerinterface für den Sci-Fi-Film "Minority Report" zu entwickeln. Heute ist industrielle Realität, was damals in Hollywood noch als Trick gezeigt wurde.

Vergangenen Freitag demonstrierte Underkoffler, ausgestattet mit Datenhandschuhen, auf der TED Conference in Long Beach, Kalifornien, wie das "g-Speak Spatial Operating Environment" funktioniert. Neben den Manipulationen von Fotos beeindruckte er das Publikum insbesondere, als er aus verschiedenen Filmen Akteure "herauspflückte", um sie auf einem anderen Arbeitstablett zusammenzuführen. Dort agierten die Schauspieler dann weiter.

Oblong Industries bietet auf seiner Homepage ein Video an, das eindrucksvoll zeigt, wie die Technik funktioniert und wo die Reise in Sachen Benutzerschnittstelle hingehen wird.

Wer glaubt, g-Speak Spatial Operating Environment sei fern der Realität, den belehrt Underkoffler eines Bessren. Die Technik werde, zitiert die "New York Times" den Entwickler, bereits in Fortune-50-Unternehmen, Regierungsstellen und an Universitäten eingesetzt. Außerdem - und hier schließt sich der Kreis zum iPad und zu Konsumenten - wird seine Technik auch bald für Privatkunden zugänglich sein. Wer in fünf Jahren einen Computer kauft, so Underkoffler, werde eine gestengestützte Benutzerschnittstelle wie das Spatial Operating Environment mitgeliefert bekommen. Spätestens dann wird sich niemand mehr an ein Gerät namens iPad erinnern können.

Wer das Oblong-Video sieht, weiß auch, dass Underkofflers Entwicklung weit über das hinaus geht, was in heutigen Wii-Spielmaschinen angeboten wird. Allerdings arbeiten Firmen wie Microsoft, Hitachi und PC-Hersteller bereits an Konsolen, die die Oblong-Technik imitiert. Solcherlei Geräte könnten noch in diesem Jahr auf den Markt kommen.

In "Minority Report" machen die Schauspieler noch die Gesten, denen später die passenden Bewegungen der virtuellen Welt untergeschoben werden. Heute findet die virtuelle Welt in der Realität statt. (jm)