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Internet-Telefonie: EU-Kommission warnt vor Überregulierung

11.02.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nach Ansicht der EU-Kommission verfolgt die deutsche Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) beim Umgang mit Internet-Telefonie einen sehr konservativen Ansatz. Keiner der 25 EU-Regulierungsbehörden sei derart restriktiv wie die deutsche, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Kommissionskreise. RegTP-Präsident Matthias Kurth laufe Gefahr, die rasante Entwicklung durch zu viele Auflagen zu behindern. "Wir dürfen dieses rasch wachsende Geschäftsfeld nicht mit Regulierungen überziehen", warnte die für Telekommunikation zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding in einem Gespräch mit der Zeitung. Mit offenen Märkten und viel Konkurrenz sei die schnelle Ausbreitung in Europa am besten zu fördern. Redings Ansatz folgt der Politik

der amerikanischen Aufsichtsbehörde Federal Communications Commission (FCC). Der scheidende FCC-Chef Michael Powell hatte sich kürzlich ebenfalls gegen eine Regulierung der Internet-Telefonie ausgesprochen.

Redings Hauptproblem ist der unterschiedliche Umgang der 25 Mitgliedsstaaten mit dem Thema: Während etwa Großbritannien dem liberalen Ansatz der FCC folgt, plädieren andere Länder, insbesondere Deutschland, für weitreichende regulatorische Eingriffe. Nachdem Deutschlands Chef-Regulierer Kurth bereits diverse Zugangsbeschränkungen erlassen hat, fürchten Kommissionskreise, dass der ehemalige Monopolist Deutsche Telekom seine erdrückende Marktmacht bei breitbandigen DSL-Anschlüssen auf den neuen Dienst ausdehnen könnte.

Sorgen bereiten den obersten Wettbewerbshütern neben der Koppelung des DSL-Zugangs mit einem Telefonanschluss auch die hiesigen Regeln der Rufnummernvergabe. So schreibt die RegTP vor, dass ein Internet-Telefonie-Kunde an dem Ort ansässig sein muss, für den er eine Rufnummer beantragt. Alternativ bietet die Regulierungsbehörde zwar 032er-Nummern ohne geografischen Bezug an, diese werden aber laut Branchenverband VATM kaum angenommen. (mb)