Posthum

Internet-Organisation ehrt Aaron Swartz

05.08.2013
Er galt als Internetgenie, doch dann geriet Aaron Swartz ins Visier der Strafverfolger. Sein Selbstmord Anfang des Jahres löste Bestürzung in der Netzszene aus. Jetzt wurde er posthum geehrt.
Aaron Swartz
Aaron Swartz
Foto: demandprogress.org

Der Programmierer Aaron Swartz, der sich Anfang des Jahres das Leben genommen hatte, ist in die "Internet Hall of Fame" aufgenommen worden. Swartz wurde am Samstag in Berlin als "Erneuerer" ausgezeichnet. "Aaron hat sich unentwegt dafür eingesetzt, dass Informationen frei zugänglich sind und das Internet offen ist", sagte sein Vater Robert Swartz, der den Preis unter Applaus entgegennahm.

Die Internet Society, die die Preise vergibt, würdigte Swartz' Leistungen als Mitentwickler der RSS-Technologie für die Verbreitung von Artikeln sowie als treibende Kraft hinter dem freien Lizenzmodell "Creative Commons". Dabei können Urheber von Fotos oder Artikeln festlegen, ob ihre Werke von anderen Nutzern weiter verwendet und verändert werden dürfen. Mit der Betonung des Teilens von Inhalten stellt "Creative Commons" einen Gegenentwurf zum traditionellen Urheberrechtsmodell dar. Ein weiterer Preisträger ist der Internetpionier Werner Zorn, der 1984 die erste elektronische Nachricht in Deutschland empfing.

Aaron Swartz in der Internet Hall of Fame
Aaron Swartz in der Internet Hall of Fame

Swartz hatte sich im Januar mit 26 Jahren das Leben genommen. Gegen ihn sollte ein Prozess eröffnet werden, bei dem ihm als Höchststrafe jahrzehntelange Haft und eine Geldbuße in Millionenhöhe drohten. Er hatte angeblich über das Computernetzwerk der US-Universität Massachusetts Institute of Technology (MIT) im großen Stil Dokumente aus einer kommerziellen Datenbank heruntergeladen. Sein Tod löste auch Kritik an den Strafverfolgern und dem MIT aus.

Die Enthüllungen zur Überwachung des Internets durch Geheimdienste wurden ebenfalls angesprochen. Preisträger John Perry Barlow, Mitgründer der digitalen Bürgerrechtsgruppe Electronic Frontier Foundation (EFF), sagte, Freiheit müsse in die Infrastruktur des Internets eingebaut werden. Er widmete seinen Preis den Informanten Edward Snowden und Bradley Manning sowie Wikileaks-Gründer Julian Assange. Die EFF klagt in den USA gegen die Überwachung von Telefondaten durch den Geheimdienst.

In die "Internet Hall of Fame" wurde zudem der US-Investor Marc Andreessen aufgenommen, der den ersten Webbrowser Mosaic schrieb und dann Netscape mitgründete. Auch der Gründer der Online-Enzyklopädie Wikipedia, Jimmy Wales, wurde geehrt. Die Internet Society setzt sich für die Weiterentwicklung der Internet-Infrastruktur und offenen Zugang zu Wissen im Netz ein. Die virtuelle Ruhmeshalle eröffnete sie im vergangenen Jahr. (dpa/tc)