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Internet-Fernsehen: Inflation der Nischensender

06.09.2007
Von pte pte
Top-Fußballclubs, Randsportarten und auch ganz normale Unternehmen präsentieren sich zunehmend über Web-TV.

Pünktlich zum Start der Fußball-Bundesliga vor einigen Wochen hat der deutsche Meister VfB Stuttgart sein eigenes TV-Angebot im Internet wieder aufgenommen. In voller Länge können sich die Fans der Schwaben hier die Begegnungen des Clubs ansehen. Die Bayern aus München hatten dieses Angebot schon während der letzten Saison gestartet, andere Vereine wollen nachziehen. Während die Web-TV-Formate für Fußball-Fans bislang aufgrund der starken Fernsehpräsenz nur geringe Bedeutung haben, setzen jetzt allerdings immer mehr Randsportarten auf die Internet-Übertragung.

Die Deutsche Tischtennis-Liga (DTTL) strahlt seit August ihre Spiele im World Wide Web aus. Badminton, Sportakrobatik, Kegeln oder Kunstfliegen können Interessierte beispielsweise hier verfolgen. Der große Durchbruch des Fernsehens über das Internet Protokoll (IPTV) steht allerdings noch aus: "Die Vermarktung des Sportprogramms läuft bislang schleppend. Bislang ist das werbefinanzierte Angebot deshalb ein Zuschussgeschäft", berichtet das Branchenmagazin Sponsors. Trotzdem planen auch andere Sportarten Kooperationen mit Web-TV-Anbietern. Sportdigital.tv setzt beispielsweise auf ein abofinanziertes Angebot und zeigt die Handball- und Basketball-Bundesliga. Schwarze Zahlen werden aber auch hier noch nicht geschrieben.

Axel Schnell, Chief Operating Officer des Stuttgarter ITK-Systemintegrators Nextiraone, sieht im Einsatz von IPTV weitere Möglichkeiten, vor allem für Unternehmen. Video Conferencing etwa habe eine neue Dimension bekommen. "Bis hin zum Stirnrunzeln und dem Zucken der Augenbrauen des Gegenübers ist alles erkennbar. Video over IP schafft mittlerweile tatsächlich Mehrwert", sagt Schnell. Durch die qualitative Verbesserung der Bilder ersetzten Video-Konferenzen immer öfter Geschäftstermine mit zeit- und kostenaufwendigen Anreisen. Und weil die IP-Technologie das Anbieten von TV-Inhalten erschwinglich macht, schlagen auch immer mehr Unternehmen den Weg zum Business-TV via IP ein - darunter Bayer, Seat und BMW.

Zur Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt wird auch die Zeitschrift Auto Bild ihr Web-Format autobild.tv starten. Gezeigt werden Beiträge der gesamten Auto-Bild-Gruppe aus dem Hause Springer. Und auch die Deutsche Telekom geht in die Offensive und verbilligt ihr Angebot für das bisher wenig erfolgreiche Triple Play aus Telefonieren, Surfen und Fernsehen über das Internet. Dass IPTV einen enormen Markt darstellt, bestreiten selbst skeptische Experten nicht mehr. Für Europa rechnet das britische Marktforschungsunternehmen Screen Digest im Jahr 2009 bereits mit einem Anteil von zehn Prozent am gesamten Pay-TV-Markt. (pte)