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Internet Explorer 8: Microsoft in der Klemme zwischen Standards und Ökosystem

04.05.2007
Die kommende Version 8 des Microsoft-Browsers "Internet Explorer" soll wieder ein bisschen sicherer werden und sich besser an Web-Standards halten. Nur schleppt Microsoft mit seiner installierten IE-Basis leider erhebliche proprietäre Altlasten mit sich.

Das kündigte der für den Internet Explorer zuständige Platform Architect Chris Wilson auf der Entwicklerveranstaltung MIX in Las Vegas an. Zum Erscheinungstermin des IE 8 äußerte Wilson sich allerdings nur vage. Zwei Jahre nach dem IE 7 (das würde Oktober 2008 bedeuten) ist wohl halbwegs realistisch - jedenfalls werden nicht wieder fünf Jahre vergehen wie zwischen Internet Explorer 6 und 7.

Microsoft habe sich bei der Weiterentwicklung seines Browser prinzipiell die gleichen Ziele gesetzt wie beim IE 7, erklärte Wilson - Sicherheit, einfache Benutzung und Verbesserungen für die Web-Entwicklung. "Es ist klar, dass wir eine Menge mit der Web-Entwicklerplattform zu tun haben", sagte der Microsoft-Mann dem hauptsächlich aus Web-Entwicklern bestehenden MIX-Publikum.

Ob die "ease of use" beim IE 7 wirklich verbessert wurde, darüber kann man trefflich streiten: Kein anderer Browser etwa hat den Aktualisieren-Knopf rechts neben der Adresszeile.
Ob die "ease of use" beim IE 7 wirklich verbessert wurde, darüber kann man trefflich streiten: Kein anderer Browser etwa hat den Aktualisieren-Knopf rechts neben der Adresszeile.

Verbessert werden soll der IE 8 laut Wilson deswegen unter anderem bei der Unterstützung der Cascading-Stylesheets-Spezifikation CSS 2.1. Außerdem solle das Objektmodell des Browsers interoperabler werden, "um es einfacher zu machen, mit anderen Browsern zu arbeiten und flexiblere Programmiermuster zu erlauben".

Vor allem der AJAX-Programmierstil (Asynchronous Javascript and XML) erfordere Client-seitig mehr Programmierschnittstellen, damit Entwickler mächtigere Applikationen erstellen könnten. "In den Standardisierungsgremien wird unter anderem an lokaler Speicherung und besseren Sicherheitsmodellen für Mash-ups gearbeitet", erklärte Wilson. Microsoft arbeite mit dem W3C unter anderem bei der Standardisierung von HTML 5 sowie XHTML 1/1.1 zusammen.

Für Website-Entwickler sei es zunehmend wichtig, sich an Standards zu halten. Allerdings befinde sich Microsoft auf diesem Weg in einer "schwierigen" Position. Weil ältere Versionen des Internet Explorer von Standards abgewichen seien, hätten neue Versionen des Internet Explorer wie der IE 7 dazu geführt, dass bestimmte Websites beim Endnutzer nicht mehr funktionierten.

"Kompatibilität bei der Web-Entwicklung ist entscheidend für die Entwicklung von Anwendungen und für uns beim Ausbringen neuer Browser, muss aber evolutionär erfolgen", so Wilson - immerhin nutzten rund eine halbe Milliarde Menschen Versionen des Internet Explorer. "Wenn wir einfach sage 'Hier ist Dein neuer Browser, und der hält sich an die Standards', dann zerstören wir das bestehende Ökosystem, und damit ist wirklich niemandem geholfen."

Späte Reue und Einsicht, aber besser spät als nie. Nun kann man nur hoffen, dass möglichst viele Microsoft-Entwickler schnell auf die neuen, deutlich Standard-konformeren Entwickler-Tools wie Microsofts "Expression Web" wechseln, W3C-konform arbeiten und proprietäre Altlasten wie ActiveX ausmisten. (tc)