G.fast nimmt erste Standardisierungshürde

Internet-DSL mit 1 Gbit/s

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Mit Gigabit-Tempo über das Telefonkabel ins Internet? Dies soll der neue Standard G.fast ermöglichen, der jetzt bei der ITU die erste Stufe der Standardisierung durchlaufen hat.
DSL mit 1 Gbit/s? Erschien das Vectoring mit 100 Mbit/s bereits als Quantensprung für das Kupferkabel, so übertragen Alcatel-Lucent-Forscher mit G.fast 1 Gbit/s per Telefonkabel.
DSL mit 1 Gbit/s? Erschien das Vectoring mit 100 Mbit/s bereits als Quantensprung für das Kupferkabel, so übertragen Alcatel-Lucent-Forscher mit G.fast 1 Gbit/s per Telefonkabel.
Foto: Alcatel-Lucent

Glasfaser-Performance zu finanziell tragbaren Investitionskosten, das verspricht Tom Starr, Chairman of Working Party 1, ITU-T Study Group 15, mit G.fast. Die internationale Fernmeldeunion ITU - sie ist für die globale Standardisierung im TK-Umfeld zuständig, hat die erste Stufe der Standardisierung des neuen DSL-Standards abgeschlossen. Mit der neuen Technik, die unter den ITU-T-Spezifikationen G.9700 und G.9701 näher definiert wird, sollen sich über klassische Telefon-Kupferkabel Transferraten von bis zu 1 Gbit/s realisieren lassen. Dabei darf das Kabel rund 250 Meter lang sein, weshalb die Technik auch für FTTdp-Architekturen (fibre to the distribution point) propagiert wird.

Allerdings dürfte die Geschwindigkeit von 1 Gbit/s in der Praxis nur selten erzielt werden. Im Labor gelang diese über 100 Meter und nur in eine Richtung. Auch bei Alactel sprach man beim Tag der Offenen Tür der Bell Labs lediglich davon, über die letzten Meter Daten mit bis zu einem Gbit/s über Entfernungen von bis zu 100 Metern übertragen zu können. Damit konnten die Forscher im Vergleich zum DSL-Vectoring (100 Mbit/s) die Geschwindigkeit nochmals deutlich steigern. Glaubt man Alcatel-Lucent-Technikern, so kostet der Breitbandausbau mit G.fast lediglich ein Drittel im Vergleich zum Glasfaserausbau bis zum Gebäude. Nach eigenen Angaben konnte das Unternehmen bereits 2,5 Millionen Geräte mit dieser Technik absetzen.

In letzter Konsequenz ist auch G.fast kein Ersatz für eine leistungsfähige Glasfaserinfrastruktur. Allerdings könnte die neue Technik dabei helfen, dass die Kosten beim Breitbandausbau im ersten Schritt überschaubar bleiben, wenn die Glasfasern etwa nur bis zum Bordstein, Kabelverzweiger oder bis zum Gebäude verlegt werden. Die letzten fehlenden Meter zum Haus oder innerhalb des Gebäudes zur Wohnung, ließen sich dann per G.fast überbrücken. Auf diese Weise könnten die Netze mit realtiv geringem Aufwand für neue Dienste wie Fernsehen in 4k oder 8k fitt gemacht werden.